Wir sind die Elite wer sonst …

Das Netz vernetzt nicht, es macht stur

Zu schnell werden Psychogramme entworfen

Die inneren Bilder entscheiden die Zuordnungen

Die Welt verengt sich auf die wenigen, denen du einen Rest Respekt entgegenbringst

Als Unterstützer einer marginalisierten Szene musst du dich daran gewöhnen, dass man dich als Bittsteller für eine marginalisierte Szene betrachtet, schlimmer noch: als einen Sektierer.

Wenn dich der Algorithmus von allem fernhält, winkt Duftermann von Fallada und dein Lebenswerk schreitet voran direkt in die Entwöhnungsanstalt

Ich reproduziere den Trash, den ich in mir angehäuft habe.

Das Niveau halten.

Twitter spielt Seifenoper und Erregungszustand – was aber wäre es ohne die, die auf die Fehler der anderen warten. Eine Oper der hohen Töne wahrscheinlich, mit Oberton. Oder ist es ein Kastensystem? Es gibt Welche, die behaupten, dort begegnete sich die Elite dieses Landes – na denn, gute Fahrt.

[Eigenartig: habe Twitter für zwei Tage Zugriff auf meine Kontakte genehmigt (das sind mehr als ich Follower habe !) – nicht einer scheint auf Twitter zu sein – !? – der Elitebegriff steht auf dem Prüfstand.]

Hinter jedem erleuchteten Fenster einen Schreibtisch vermuten

Eine Überproduktion an Text

Ich bleibe wohl besser bei der Musik, die kommt ohne Moral aus.

Wenn ich User-Tweets mit gesponserten Tweets vergleiche, sehe ich die Schere zwischen sich selbst erfüllender Finanzplattform und ihrem Prekariat – die einen wissen nicht, wohin mit ihrem Geld, die anderen fragen sich nach dem Sinn ihrer Werte wie Worte.

Heute

… ist so ein Tag da möchtest du die Koffer packen und verschwinden – 450 Tage Homeoffice schon – ich bin es, der ihnen ihr Homeoffice ermöglicht und habe mich schon an Fragen gewöhnt nach fehlendem Laufwerkszugang oder warum ein Monitor schwarz bleibt – habe mich daran gewöhnt, dass sie vergessen haben sich zu duschen und ihr Hemd zu wechseln, da sie sich im Schlafanzug einander zuzoomen, habe mich daran gewöhnt, dass alle nasdaq-lang jemand Urlaub macht, muss mich nun noch daran gewöhnen, dass sie wieder mit Beamer das Haus verlassen und vergessen, das richtige Kabel einzustecken – will mich nicht daran gewöhnen, dass der neueste Auftrag lautet, Raumgeräusche dämpfende Headsets zu kaufen, will ihnen zurückschreiben, dass sie das Klopapier und Einweghandschuhe und Zahnbürsten bitte bei Beam-me-up-Scotty.Universe bestellen sollen – sie sollen mich alle mal Lost in Space in meinem Regentropfen in Ruhe lassen, ich verdurste an ihren Fragen.

Das Eine-Nacht-Wunder

Du sollst im Zorn der Welt mit Gleichmut antworten – heute ein Tag, da ich der Relativität nicht standhalte.

Gestern dagegen konnte ich Wesentliches vom Unwesentlichen sehr gut unterscheiden und mich einreihen in die Menge des Unwesentlichen, gleichmütig und weniger larmoyant, sondern genügsam und fast schon bescheiden.

Das Ergebnis sehe ich heute: ein Tag, da das Unwesentliche zuoberst gekehrt wird und ich mich noch entschuldigen soll für ihr Lächerliches – du sollst den Zorn nicht gegen sie verwenden, nicht gegen dich.

Zurückgekehrt ahne ich, dass sie wieder in der Stadt ist, es ist Ferienzeit und die Kinder untergebracht, da wird sie eine Reise nach Berlin unternehmen und keine vier Tage hier aushalten, da ich schon zwanzig mal dreihundertfünfundsechzig Tage auf ihre Rückkehr warte – das Ergebnis sehe ich auch: eine Leere Wand

Als die Geschichte begann, dachte ich noch in Bildern und Räumen und war ungleich faszinierter von jedem räumlichen Gedanken, der erst einmal seine zweidimensionale Zeichenfläche verlassen muss, um real und dreidimensional zu werden, da sprachen sie schon von vierdimensionalen Räumen, um geradewegs aufs eindimensionale Papier zurückzukommen, das ihnen inzwischen als Versprechen entgegen schimmerte durch ihre Illuminationen als Glasscheiben, auch ich inzwischen mehr vor Glasscheiben sitze als Theaterräume oder Stadträume zu begehen – im Prinzip kannst du sie durch Maschinen austauschen, die Menschen vor ihren Scheiben – ich setze mich in meinen Regentropfen und flüchte – vor mir, der ich das alles kraft meiner Leistungen ermögliche und mitmache.

Eine Frage des Standpunktes

Könnte man die Regentropfen wegregnen würde man die Autotüren schließen und das Cockpit anzünden.

[Habe gehört, Tolstoi sei ein Marketinggenie gewesen – deswegen seine hervorgehobene Stellung in der sogenannten Weltliteratur]

Gesetzt – seit dieser Homeofficegeschichte kein ordentliches Gespräch mehr geführt – nur dirigiert, gesteuert, gelenkt, supported und geholfen – helfen helfen helfen – all diesen Undankbaren, die ihre Komplimente für dich für sich behalten bis auf wenige Ausnahmen

Homeofficeleere Homeofficelehre

Offenbarungseid

Wir können das Internet zumachen – es hat uns isoliert.

Ich weiß, ich hätte es sagen sollen, es allen erzählen, dachte aber, sie wissen es schon: sich über das Internet Mitteilen
sei distanzierend und abweisend, vom Gegenteil dessen überzeugt aber plauderten sie alles aus, sich und die ihrigen, und liefen entblößt umher suchend wie sie sich wieder verbergen oder neu kleiden.

Ich werde mich zu siezen anfangen müssen, ich erkenne kaum jemanden wieder von denen, die mir morgens im Spiegel begegnen, Sie werden stillgestanden haben müssen, werde ich Ihnen sagen, wollen Sie mich morgen nochmal wieder sehen.

Wetteifern im Stillstand

So wird das alles nichts – du kannst noch Romanfiguren denken, die sitzen auf Bänken, betrachten die Wiesen, beobachten die Vögel, sehen Eichhörnchen die Baumstämme hinaufzucken und sagen: so wird das alles nichts, sie wagen einen Sprung in den See, wo das Wasser samtseiden wirkt.

Sie studieren Vogelbücher – auch Voglbücher – in beiden es um bedrohte Arten geht – vom Rotmilan zum Biberkopf

Eingeklemmt zwischen ideologischem Wetteifer und den Apologeten willkürlicher Freiheiten sehen sie die Jahre an sich herunterfallen und sprechen unisono: so wird das alles nichts.

Da sie niemand stört in ihrem Lamento, bleibt es bei diesem verhaltenen Unmut über die Abwesenheit von all dem diskursiven Chaos, das seinen Zweck erfüllt: die dort sagen so wird das alles nichts fernzuhalten von denen, die einen Lustgewinn darin sehen, weiter für stimmungsvolle Bilder und verwirrende Nichtübereinstimmung zu sorgen.

Sie fernzuhalten von denen, die behaupten, sie lebten in vielstimmigen Zeiten mit driftenden Aussagen, sie lebten in einem Pollock Gemälde oder in einem Mondrian oder in einem Otto Dix – sie wissen, wie man jene Parkbankwächter zähmt: indem man sie malt, fotografiert und bespöttelt. Indem man die eigene Lächerlichkeit über die der Verstummenden legt und behauptet, das sei ein impressionistisches Bild von ehemals Expressiven – ein Mythenextrakt vom Epos der angezählten Jahre.

Es bleibt nicht einmal die Zeit, die an dir nagt. Es bleibt ein Geschmack von Ressentiment – eine Weißweinschorle, ein dimmender Rosé, ein Überfall all der Zeiten der Wühler, Gehetzten, Lautmaler und Farbkleckser – in diesem Bild der verwüstenden Farben.

Wieder zuhause wirst du überfallen und eingeengt von technischen Fragen – dem einen ist sein Büro abhanden gekommen wegen Erpressertrojaner, dem anderen setzt die Hitze zu, seine Server sind brüllend der siebzig Grad Grenze nah und fahren rauf runter je nach Ausfalldauer der Klimaanlage. Wieder andere haben ihre Logindaten vergessen – und du fragst dich noch immer, was kann Literatur leistenso wird das auch nichts – es ist für jedes Thema das passende Korsett gefunden und wer das nicht ironisch überzeichnet, kann Kirschblüten zählen und wer erwartet hat, dass Literatur etwas mit Avantgarde zu tun hat, bleibt für sich. Wieder zuhause und das Handy steht nicht still.

Die Vögel waren gestern, in der Toskana hört man angeblich keine, der Vogl dagegen schreibt weiter von den Defekten des Netz (nicht Nest) – die Defekte seien überlagert von in sich abgeschirmten Diensten und Applikationen – der Roman von den verwaisten Bänken, auf denen die saßen, die es besser wussten, ihrem Wissen aber das Schweigen vorzogen und zusahen, wie sie überlebten, auch sie müssen schlafen in ihren Träumen vom besseren Schein. Der leergefegten Bühne, dem verkopften und überfüllten Brain.

Du musst all das Figuren sprechen lassen

Ludger dachte: Alles hier ist verkehrt.

Doreen glaubte, er schreie sie an mit seinem Denken und schrie: frag mich nicht warum, frag dich selbst.

Ludger dachte immer nur: Gefahr, Gefahr, Gefahr. Er wollte sie zähmen mit seinem Schweigen, sie wollte sich wehren gegen die offenkundig gewordene Enge in seinen bei ihm festsitzenden Worten, als wäre sie ihm ein Vorwurf, eine Anmaßung, eine Grenze, eine Wand.

Bühne frei für ein Melodram – Gelächter

Paradox

Suhrkamp Hanno Rauterberg

Die Erwartungshaltungen immer aufs Neue ausgerichtet, obwohl das Überkommene noch Baustelle ist

Das Netz fluten mit eigenen Beiträgen, obwohl es längst überfüllt ist mit Beiträgen

Das Platformkapital macht Werbung für‘s Platformkapital, obwohl es sich selbst bekannt ist – was ich mit der Werbung anfangen soll, weiß es auch nicht mehr

Die Wahrnehmung reduziert sich immer auf das Naheliegende und verstärkt sich noch im Naheliegenden

Ich kann behaupten: mein Blick auf Literatur durch Blog oder Twitter hat sich tatsächlich geändert – deswegen mache ich es ab sofort wieder so: ich gehe in gut sortierte Buchläden und lass mich dort überraschen – das Internet macht mir zu viel Literatur zum Egal.

Wenn wir Prosa wollen, sollte Prosa auch wieder gemacht werden dürfen, mit Fließen, Strömen, mit Effekten Affekten und Irrtümern und Ecken – es gibt kein Reinheitsgebot dafür – da sollten sich endlich diejenigen von absetzen wollen, die mehr wollen als gefälliges Plappern – doch wie verhält es sich mit dem Banalen, das mehr als die Hälfte deines Lebens bestimmt

– aus dem Wörthersee bei Klagenfurt steigt wieder kein Leviathan auf, mehr eine Makrelenspringflut, während das Runde ins Eckige soll und das Sommerloch Feuer nach Brandenburg bringt – der Plattformkapitalismus spült mir unterdessen mehr Werbung in die TL, als ich wahrnehmen kann

Auf der Suche nach Twitteralternativen noch nicht wirklich fündig geworden

Literatur, die sich über Instagram in mein Leben einzuschleichen versucht, bleibt draußen – verstehe nicht, wie sich intelligente Menschen auf den Plattformen Insta und FB ruhigen Gewissens umtun können. Auch Twitter wird mir zunehmend fragwürdig

Architektur- wie Literaturtheorie stecken in einem Dilemma – sie proklamieren eine Ästhetik ihrer Bauten und Medien und müssen mit ansehen, wie 99% der realisierten Werke ohne irgendeinen Anspruch daherkommen – so bleiben die theoretischen Ansätze unter sich, während die gebaute und dargestellte Wirklichkeit sich selbst unterhöhlt – ein Wettkampf um die größtmögliche Reichweite und Gefälligkeit mit sich selbst unterbietenden Mitteln.

Dass das Internet kaputt ist einmal mehr hier gelesen : für die ohne Geduld: https://www.deutschlandfunkkultur.de/

Alttage und alle Tage danach

Equalizer mit Peak

Wenn um dir ist, wie die Geister rufen – ist es mit dem wie mit einem ausgehöhlten Gesicht

Das Wünschen war mein Paradies

Irgendetwas herrscht, ich habe keinen Zugriff.

Das Passagenwerk
Der Mann ohne Eigenschaften
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Ulysses
Die Jahrestage
Moby Dick

  • wie werde ich sie wieder los – sie haben mich mit Sprache überfüllt – die mir im Simplifizierten des Alltags nichts nützt

Es gibt ein Lebensgefühl, das einem abhanden kommt, das hätte ich nicht geglaubt, hätte es mir jemand gesagt. Ich spreche nichtmal in Rätseln, so rätselhaft kommt es mir vor.

Zwei Räume ein Zimmer – kein Hammer kein Nagel – das Leben im eigenen Leib

Du brauchst nicht klargesichtig werden, du siehst dich als Objekt – lass die Dinge warten – die Blicke

Der Ankläger sitzt nicht selten mit auf der Anklagebank

Ich hätte gern mehr Sinn in deinem

Vages Schweigen – du liebst deinen Partner

Wenn du Musil sagst, folgt Ulrich dir bis in den Schrebergarten und du glaubst noch, er träumte von Freiheit und Selbstbestimmung – dabei war er Informatiker oder Mathematiker, der grundsolide staunend über die Verhängnisse nichtmal zu urteilen verstand

Im Sekundengedicht
Im Fliehenden
Auf Pferderücken
übersommern.

Wenn Mayröcker drunter steht

Die Heuchler die ich umschmeichle

Resonanzraum steht über der Tür zum Keller

Verstörungen ließen sich darstellen ohne einen Reflex auf sie, heißt es, sagen die Geister – alle

ich habe nirgends ein Zuhause außer in der Literatur – das war gestern, heute ist das alles eine Farce und könnte man auch lassen. Die Begründung ums Gegenteil lässt auf sich warten

… du lernst Kirschkernespucken und Lektorworte und Kraftausdrücke des Umgangssprachlichen und haust dein Geld für sie aus dem Fenster, damit sie untereinander Wortschaum verwischen zu einem Aquarell mit weichgezeichneten Farben …

… Deutschsprachige Literatur wirkt nicht mehr scharfzeichnend, sondern leicht, schwingend oder Satie-gemäßigt wie ein Schaf ohne Biss aus Wolle und flauschig – so bleibt sie widerständig unter sich ohne Wirkung …

Musil schafft es, einen Trivialitätenroman, um nicht zu sagen eine Daily Soap derart mit Subjektivformen anzufüllen, dass kaum ein Satz mehr trivial wirkt, sondern der ganze Roman unter der Last seiner Substantive verstaubt.

erklär mir das

Schnell noch einen Imbiss Ziehen

… zwei Ebenen, ich kann sie dir nicht erklären, Zeitebenen, als gäbe es das, Zeit, die man in Scheiben schneidet, die eine, wie ich mich langweile, die andere, wie die Geschichte an mir vorbeirauscht, alter Schwede. Am Ende stehst du da mit einem Loch in der Hose und die anderen schauen auf dich, als hättest du dir im Solarium die Nase verbrannt. Gib mir Zeit vier Wochen, das ist die Ebene, die an mir vorbeirauscht. Schreib einen Brief, noch einen, schreib‘ alles auf, das ist die, die mich ans Ende der Welt brachte. Im metaphysischen, nein im übertragenen Sinn. Metaphysik und Übertragung, und klar doch, hier noch die anderen psychologischen Begriffe: Übergriffigkeit und Spiegel und Abstand und ich bin es müde. Alter Schwede, wer bist du. Wer bin ich in der Geschichte. Werde doch mal deutlich, sagte sie, ich hatte nichts Besseres zu tun, als all das in abstrakten Begriffen unterzubringen. Wundere mich über einige Formulierungen. Wundere mich darüber, dass das, was in einem brennt, sich sprachlich anhört wie Kitsch, wie ein Rinnsal oder wie ein plätschernder Bach. Du spürst in dir einen Groll, da draußen schwebt eine Möwe am Fenster vorbei. Nenn den alten Schweden beim Namen, Robert oder Simon oder Dirty Joker und verrate nicht, dass du ihn aus dem amerikanischen Idyll von Philip Roth rausgepickt hast, obwohl uns als Jugendliche der Begriff alter Schwede geläufig war im Sinn von mein lieber Scholli, kannst du alles bei Wikipedia nachlesen, ich fürchtete schon, es sei einer dieser Begriffe aus dunkler Zeit, die dunkle Zeit bei uns immer die meint mit Onkel Paul, der, dreimal darfst du raten, kein alter Schwede war, sondern ein lupenreiner Idiot, gleichzusetzen mit … such es dir aus, ich drifte ab … das Abdriften kein psychologischer Begriff ist, sondern ein Seefahrerspruch, und Stopp. Mein alter Schwede glänzte weniger durch sportliche Leistung oder körperliche Aggressivität im Wettkampf, sondern durch seine Attitüden, seine weltmännische Attitüde fällt mir ein, seine Denker-Attitüde, seine Erhabenheits-Attitüde, seine Ich-weiß-wie-die-Welt-funktioniert-Attitüde. Ein echter Freund, der alte Schwede. Einer, das sei verraten, den du dir nicht auf der anderen Seite der Linie wünschst. Einer der Sorte, wenn du ihn zum Freund hast, brauchst du keine Feinde. Dabei geht es in diesem Buch der zwei Ebenen gar nicht so sehr um Robert, auch nicht so sehr um Simon oder Dirty Joker, strenggenommen geht es nichtmal um Rosa oder Malte, nichtmal um mich − was so gesagt Humbuk ist − trotzdem: ich bleibe dabei. Es geht um diese seltsamen Begriffe wie Mythos, Gespenster, Augenblicksschwangerschaften oder Gutenachtgeschichten. Was Ohnmachtsanfälle erzeugt, Beieinanderkauern, Wollmilchsau. Du siehst, es handelt sich um Substantive der Art einschüchternd, fragestellend und manipulierend. Das Realistischste an diesem Roman ist seine Unbedarftheit und Naivität. Da ist einer, der hat Bauchschmerzen und ruft so Dinge wie ich liebe dich, ich liebe sie, ich weiß nicht wen. Ihm bohrt es ins Fleisch und er sagt Hühnerbeinvergiftung dazu. Er läuft monatelang die Siebzehnte Juni rauf und runter und will irgendwas in den Griff kriegen, allein er hat nur zwei Hände, seine Beine, die ihn die Siebzehnte Juni rauf und runter tragen und schaut er in die Büsche und Sträucher am Wegrand, sieht er Büsche und Sträucher. In Echt und so wie sie sind. Büsche, Sträucher, später sollen sie sogar in einer Betonröhre sitzen und frieren. Hat sich die Figur auch mal verliebt, würde Flynn Brunner fragen. Alter Schwede. Noch so einer, der alles besser weiß. Ich kann dir verraten, ich habe beide überlebt. Als der eine Alter Schwede war und der andere auch, waren wir noch im pubertären Kriechgang unterwegs, der eine, Robert, zwei Jahre älter als ich und trotzdem erst zweiunddreißig, der andere Flynn Brunner, zehn Jahre älter als ich und trotzdem erst vierzig. Jetzt wo ich das schreibe, bin ich weit über fünfzig, und so viel sei verraten, Alter Schwede − ist nicht mehr. Das ist echt Alter Schwede ist das. Erst erklären sie dir, was alles so Erklärbares am Wegrand auftaucht, da springen sie vorzeitig in die Grube und lassen dich mit ihren Begriffen zurück. Überhaupt der schärfere von beiden: das sei alles auf der Spur der erotischen Spannung, ein echter Robert, ob Wäschewaschen, Zahnputzmittel oder Coladose öffnen, ob Witzfigur aus Monty Python oder Luftballon aus Münchhausen, ob Kristallkaraffe oder Geistreichelei, ob Laufpass oder Bergspitze, ob Schneeschlucht oder Spurensuche im Schnee, alles Geister, die ich rief und eine Spur der erotischen Spannung, der Robert. Erst nimmt er dir die Frau weg, dann ist er schon im Himmel unter den Seinigen, aufgelöst und fromm, eine Nebelwolke im Frühling, und spricht mit dir aus Engels Zungen, manchen Leuten begegnet man, um sie nie wieder loszuwerden, so eindringlich ist ihre Mission. Nun drifte ich wieder ab. Da weiß ich nicht mehr, wie ich dich an diesen Text binden soll, ich weiß nicht einmal, wen ich hier anspreche mit Du, Dich, Dir, Dein, du bist ein Phantom … könnte dir so passen, mich hier des Multiplen zu verdächtigen … natürlich nur auf Durchreise. Alle sind wir auf Durchreise und von keinem weiß man, wer er war. Der alte Schwede war mein Freund, sage ich und ich habe ihn nichtmal bewundert. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, schnappt er mir die Frau weg, damals. So eine typische Nummer wie aus einer nicht allzu weit hergeholten Assoziation. Zwei Männer lieben eine Frau, doch sie entscheidet sich für einen dritten, so eine Geschichte ist das. Ist das wirklich alles, fragen sie mich unisono aus ihrem gepolsterten Himmel. Herr im Himmel, sage ich, wenn ihr so wollt, ja. Euch aber hat zu dem Thema keiner gefragt. Für euch ist der Himmel eine Lüge voller Geigen, für mich eine herbstzeitlose Betonplatte in Grau. Alter Schwede. Komm lass uns beginnen …

Monotones Runterschreiben vermeiden heißt: kompositorisch stilistisches Ausarbeiten – was, je nach Arpeggienfolge, ebenfalls monoton werden kann – überhaupt die Bekanntgabe von Kunst und Machen im Rahmen der Netz-Umsonstkultur inzwischen mehr als fragwürdig erscheint – die Wertschätzung für etwas, was man für Low kriegen kann, ist nur einen Klick vom Absprung entfernt. Sie an deine Sachen binden, ungleich schwieriger, da sie es doch sind, die dich an ihre Sachen binden wollen – da alle das Gleiche machen, entstehen keine Marktlücken

In Schichten mäandern

Bin mein eigener Bewährungshelfer in Sachen Aushalten und Abwarten

Eigenartig – einerseits wird fortdauernd Neues von dir erwartet – andererseits befürchtet man, du würdest nicht mehr von hier sein – sollst also Konventionen bedienen – bis sich die Langeweile einstellt – so oder so – Zeit für eine Publikumsbeschimpfung

Gestern mit Nachbarn Treffen im Treppenhaus: die verbesserte Inzidenz sei noch nicht nachweislich zunehmender Impfung geschuldet, sondern der Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten

Social Media als Abbild von Gesellschaft, wie es alles verstärkt, was real nicht kann und will.

Radikal verkürzt die Synapsen im Kopf zur Schaltzentrale des Bewusstseins kurz vor Implosion

In Assoziationen – ich sehe all die Leute vor mir, wie sie ihre Linien nicht mehr halten, sondern Anhaltspunkten hinterher springen querverteilt

Keine Rückschlüsse auf deine Person zulassen – sie gewinnen zu viel Macht über dich – der einzig geschützte Raum in dir wird zu ihrem Wohnzimmer, in dem sie randalieren

habe nach einem Jahr genug gesehen – werde ständig konfrontiert, in Gespräche gezogen, die nichts bringen, soll mich für Dinge entschuldigen, die ich nicht gesagt habe, am Ende bist du marginalisiert, mimikri und ganz bei dir – das hätte man auch meditativ herbeiführen können

Wenn Twitter keine Leute hätte, die es durchs Dorf treiben kann, wäre es ja kein Dorf sondern eine Schenke

Abschied tut Not, wenn du dich nicht von deiner Disqualifizierung getrennt bekommst – der Deal kann nicht nur auf deine Kosten gehen

Selbsterklärend ist, was man sich selbst erklärt, selbstverständlich ist, was alle zu erklären versuchen, erklärt ist, was niemand mehr versteht

Um sich wiederzufinden muss man sich erst als verloren erklären – dann findet man sich und braucht nicht so häufig ums Eck schielen, wo die anderen bleiben

Und auch. Nicht über jeden Stock springen – wenn die Messlatten über Kopf liegen schon gar nicht – dazu ist man nicht agil oder dynamisch genug. Auch sehe ich, wie sich viele umsonst strecken und auch verhaspeln und ihre Sprachzentren plötzlich Animositäten freisetzen, die besser erst einmal mit sich selbst geklärt werden müssten – allzu schnell könnte nämlich deutlich werden, dass das alles nur der eigenen Infragestellung zuarbeitet – wir leben nicht umsonst in sozialen Gefügen, durch die sich vieles von selbst versteht und korreliert. Muss ich denn, nur weil ich Ich sagen will, jeder Selbstbeschämung Vorschub leisten – nicht einfach in diesen pandemischen Zeiten, da Abstand halten Not tut und die Selbstnähe wenig soziales Korrektiv anbietet. [dass es sich rein über Text darstellen lässt – sehe ich nicht]

Ein kafkaeskes Leben ohne den Text von Kafka. Im Hintergrund galaktisches Rauschen, Venuszeit, andere Zeit, Wüstenland. Der Text eine Collage aus Musiktiteln verschiedener Interpreten, mach deine Sorgen zu Träumen, ich wünsch euch einen neuen Himmel. Wer hat die Sonne geküsst oder ähnlich … fort vom Schmutz der Verlassenheit, den Nervenzusammenbrüchen und den Ritten auf Pferden durch die Leere der Angespanntheit, der Angst und der Schmerzen, eine weite Reise, schnell und kurz.

Wir sehen uns im Garten – dort wo die Bänke durchgesägt wirken, damit niemand auf ihnen schläft.

Der Tag …

… ein Missmatch – die Flexibilisierung der Arbeitswelt zieht nach sich, dass alle zwei Minuten eine Beschwerde, Klage, Unzufriedenheit eingereicht wird, oder eine Unvollständigkeit vorliegt – die Leute es sich im Home-Office bequem machen und den gleichen Komfort erwarten wie im Büro – das Versprechen auf Matrix und Struktur sich auf die individuellen Bedürfnisse ausrichtet – pro Person mindestens drei Gerätschaften – allein, was wir in den letzten Monaten alles zukaufen mussten – der Gewinn dessen schon jetzt den IT-Giganten zugeschrieben werden kann, während hier die Zerstreuung und Vereinzelung zunimmt – Controlling und Personalmanagement haben alle Hände voll zu tun – die Effizienz all dessen noch überprüft werden muss. Zwar sind die Krankschreibungen zurückgegangen, aber sichtbar jetzt schon die Verstörtheit der Einzelnen und hörbar ihr Stöhnen und Ächzen.

Social Media macht derzeit kaum Sinn – Zuviel Arbeit im RL – was eng verzahnt ist mit Netz-Life – nicht im Sinn der Social-Media-Plattformen, sondern im Sinn der Verfügbarkeit aller innerhalb der Firmenstruktur. Hinzu kommt schon jetzt, dass einige sich abgehängt und isoliert vorkommen, man hört und sieht wochenlang nichts und spricht man sie an, wirken sie den Tränen nah.

Die Wochen und Monate ziehen ins Land – im Vorteil die, die noch sprechen können, gefährdet die, die sonst auch still und stumm waren, sie müssen jeweils reintegriert werden – einige retten sich, indem sie trotzdem regelmäßig im Büro auftauchen. Dort ist es derzeit still wie lange nicht.

So neu ist das Neue nie – es würde die Leute eher verschrecken oder einschüchtern – kannst davon ausgehen, dass vieles, was plötzlich als neu auftritt, eine etwas längere Vorgeschichte hat der Aneignungen und Adaptionen.

Lese: „der schwermütige Raum wurde in der Architektur entsorgt und das beweist einmal mehr, dass Architektur ohne Raum auskommt“ die Ausgangsthese lautet: wir kleben am Boden fest und haben daher keine Vorstellung von Raum

  • lese vom Vagen, von Gleichgewichtsstörungen, von Asymmetrien und Abkehr der Moderne.

Das Verständlichmachen komplexer Sachverhalte geht immer auf Kosten der Inhalte, es sei denn, man drückt sie verständlich aus, womit sich das verständlich Ausgedrückte trotzdem vom Inhalt entfernt.

Wenn der Raum also nicht erfahrbar sein soll woher kommt nun aber das Wort – Raum ist Hülle, Fülle, Leere, expressionistisch oder still – der Autor will mir wohl mitteilen, dass der Raum pathetisch sei – und da die Moderne die Religion abgeholt hat aus dem Mystischen, betreten die Menschen einen Leerraum, einen entsakralisierten – einen, den es nicht gibt – behauptet also, Raum und Religion und Staunen gehen Hand in Hand – der Autor negiert den Stilleraum – den Ruheraum – auch den Schlafraum gleich Traumraum – will konnotieren: die Moderne als raumtötend – es wird dunkel im Buch

Relevanzverschiebung

Aufwärtsbewegung

Aus Verlegenheit und weil ich selten bequem bin – es mir alles … die Zwischentöne und Nöte – wie Boten von Noten – wie Nüscht von Garnüscht – regen sich auf, dass … Bücher nicht nach Diskursrelevanz ausgewählt werden und wenn es ums Gemeinwohl geht, um den sozialen Frieden, um soziale Ausgewogenheit und darum, dass hier die Leute nicht reihenweise vom Stuhl fallen oder durchs Rost – hört man nichts, gar nichts, niente – die Drecksarbeit müssen die anderen … piekfein hergerichtet schreiben sie dagegen von Deutungshoheit und Dirkursrelevanz – wenn es um Bücher geht – ich kann sie nicht mehr – mich schaudert es inzwischen.

Max Mustermann Fassade Berlin

Gestern wurde der Verfahrensfehler des Berliner Senats gekippt – er hatte sich vorgenommen als Landesregierung Gesetzgebungsdefizite des Bundes auf eigene Faust zu verbessern und ist damit gescheitert – da kommen die hämischen Rufe der CDU und vor allem der FDP – man könne eben nicht ins Eigentumsrecht des Einzelnen hineinregieren – dabei hat doch jetzt endlich auch der Letzte mitbekommen, dass das Bundesverfassungsgericht nicht die Inhalte der Gesetzesvorlage verhandelt hat, sondern die Bundes- vor der Landesrichtilinie –

Zur Sache : niemand stellt mehr die Brechtsche Frage wer hier der größere Verbrecher ist, der Bankräuber oder die Bank – Nachhilfeunterricht gibt dieser Film Die Stadt als Beute der Film gibt leider so gar keine Antwort auf die Frage, was der Staat nun unternehmen kann – die Landesbevölkerung vor den Haifischen im Immomarkt zu schützen – zeigt aber sehr eindringlich, auf welch einfachem Level das alles abläuft – eine Exceltabelle und ein bisschen Vertrauen der Hausbank und das Setzen auf die Schlossallee – einfacher als Monopoly – ein paar Sprüche und ein bisschen mieses Englisch Hauptsache HaHaHa – und ist ja nur ein bisschen kontaminiert und ein bisschen versifft aber mit ein paar Kröten geht das schon …

Mit ein paar Kröten wuppen wir auch die Dönerbude

Sich nun bar erstaunt zeigen – hilft wenig – die Straße rauf runter marschieren kann da auch nur ein Zeichen sein – worauf es nun auf jeden Fall ankommt. Wähler- und Wählerinnenmobilisierung zum Thema – das muss ganz scharf in die Wahlprogramme eingeschrieben werden und auch beobachtet, wie der politische Gegner, hier CDU und FDP argumentieren (die ja mit ihrem Laisser-faire erst ermöglichen, dass in diesem Land Unter- und Mittelschicht quasi enteignet werden, indem man ihnen immer höhere Mieten zumutet.) Dabei reden wir nicht vom Schutz von 4 Euro den Qm Mieten sondern vom Deckel auf dem Weg zur 15 Euro den Qm Miete – da ist also viel Spielraum – auch für Investitionen – es brauchen ja keine 30 40 50 % Renditen sein, es reichen auch 6-8 % bitte danke | das steht zur Diskussion für die Herbstwahl – Punkt

Es gibt eine Ambivalenz zwischen Innen und Außen – von innen heraus will ich etwas sagen – von außen gibt es einen Druck, es zu verschweigen. Das Außen ist in der Mehrheit – da braucht es kraftvolle Worte – das aber wären Worte, die das Innere so nicht wollte.

Beim Lesen daran gedacht, dem Buch kein weiteres Kapitel zu schenken, sondern mein eigenes Leben umzuschreiben, dort erst scheint er kontrollierbar, der Selbstbezug. Auch wurde mir bewusst, dass mit jedem Hinweis auf eine andere Figur als die, die ich war, die Möglichkeiten zunahmen, sich selbst auszuweisen, gleich auch die Wahrscheinlichkeit zunahm, dass der andere, der ich dadurch würde, ein Ausstellungsstück war seiner verpassten Möglichkeiten. Wieder eine Figur an die Wirklichkeit verloren, könnte ich behaupten, und würde die Wirklichkeit nicht mehr mit Wahrheiten verwechseln. Sehen Sie, wie einfach und banal das alles wird, wenn Sie sich selbst aus dem Weg gehen.

Paarbildungen

Wieder viel erfahren und gehört von Distinktion und Mobbing und Gesprächskultur und Seilschaften – kein Gespräch möglich mit dem Bezirksbürgermeister – deswegen trifft man sich vor Gericht.

Sie wollen Rosengärten pflanzen in der Stadt

Jazz als Requiem

Romantische Momente harter Arbeit

Lieblingsspiel der Modernen – Personenkult.

– Wenn sich alles bewegt, wird das Navigieren für viele schwierig – Orientierung ist Selbstbestimmung. Es geht darum zu wissen, was man tut und wer man ist, während man es tut. Dazu muss man nicht den Kontext aufräumen, sondern den eigenen Standpunkt nachbessern.

Die Orientierungslosigkeit als größte Schwachstelle des Betriebs

Muss man wohl umschreiben in: wo die Zuordnungen verloren gehen, ist niemand bindend prüfbar oder in der Verantwortung – deckt sich mit meinen Beobachtungen: das Wegducken und Rausnehmen und Vonsichweisen führt zur „Selbstmaterialisierung“ – das selbstbewusste Ich verschwindet und weist jede Verantwortung von sich – es macht sich selbst zum Teil von Etwas. Versteckt sich hinter Gruppen – in denen Aussagen reihum verschoben werden, das erzeugt weitere Nicht-Zuordnungen. Ein massiver Affront gegen Renaissance und der mit ihr einher proklamierten Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Die Eigenständigkeit weicht der Säulenordnung.

Paraphrasen des Verzichts

Alles bitte in Prototypen an der Garderobe abliefern – dass „Figuren keine Entwicklung durchmachen“, das „miese Bauchgefühl“, „über Geschmack lässt sich nicht streiten“, „wie machen das die Profis?“ „Problem Nummer eins.“ „Lebensverzicht.“ „Verortung.“

Gestern am Alex – Betrunkener fällt aus Straßenbahn, junger Mann springt bei, Strabafahrer springt bei, ich springe bei – wir helfen ihm auf Beine und Krücken – wuchten ihn an ein Geländer – Strabafahrer telefoniert Sanitäter herbei – wo wohnen Sie? Ich hab’ kein Zuhause –

Wir warten auf Sanitäter – Strabafahrer erzählt: was kann ich schon machen, außer beobachten, es kommt schonmal vor, dass welche einsteigen und die Straba mit ihrer Wohnung verwechseln – er habe ohnehin das Gefühl, die Straba sei für viele ihr zweites Zuhause – er könne Bücher…

… erst wenn sie sich in der Straba einrichten wie Zuhause, stoppe er die Straba – und lasse sich aber ungern beschimpfen, wenn erst Schuhe und Strümpfe ausgezogen sind – unser Mann wurde den Sanitätern überlassen, erste Frage: Was haben Sie für ein Problem? Er schaute mich an.

Das alles als Spiel betrachten und betreiben – kommt nicht mehr hin – die eigene Lebenserwartung setzt Grenzen – will auch nicht als Opapa stumm im Stuhl sitzen, will kein Teil einer Gemütlichkeitsfraktion sein, verfolge und beobachte aber, wie andere erwarten, dass ihnen ein Butler beisteht – war versucht vorzuschlagen, dass an jeder Ecke im Büro ein Butler stehe mit weißen Handschuhen und gerne sagt, nicht dafür bitte gerne – wie er am Drucker das Papier wechselt, wie er die Mülltonnen ausspült, das Geschirr sortiert oder die Laptops richtet. Damit sinnfällige Gespräche geführt werden können über die Projekte, die im Verzug sind – die nicht im Verzug wären, wenn auch auf den Baustellen die Weißbehandschuhten auftauchten.

Worauf warten wir noch ? – dass irgendjemand anklopft und den Weg zur Kirmes, zum Riesenrad, zum Konzert zeigt?

Ich sehe die Ödnis der Volksbühnenbilder vor dem inneren Auge an mir vorbeiziehen. Zwei von denen, die wir die lange Nacht der Nibelungen durchmachten, sind schon nicht mehr – fragen mich stattdessen diese notgeborenen Sätze. Worauf warten wir noch? Wir sind schon fort.

Ich habe verstanden : manche Dinge will man wirklich (nicht mehr) wissen

Wann hatte ich zuletzt dieses Knacken im Ohr nicht? Wo ich immer Headset cool rumtue – als hätte ich noch irgendwas im Griff

Der Skandal schlechthin : wir reden vom Schweigen? – nein wir reden von Fortschritt und gucken zu.

Der Skandal am Skandal : wir haben uns daran gewöhnt, fürchte aber, da staut sich was

wir lassen uns diktieren durch Maschinen?

Es macht kaum Sinn mit sich selbst zu reden – die Digitalen Medien verleiten mich aber dazu. (Bis ich mir über bin) Eine seltsame Hochzeit : ich heirate mich, um mich von mir zu trennen

Twitter ist wie früher dpa – der Ticker aus dem gefischt wird

Die Zuordnungen sind mir inzwischen egal – es herrscht Prinzip Zufall – der Theologe dagegen behauptet, es gibt keine Zufälle. Was sich da offensichtlich widerspricht wird dann zusammengeführt in Übersinnliches, weg vom Ausbruch selbstverschuldeter Unmündigkeit hin zur gesuchten Selbstzähmung

Ein Gehirn sprudelt ein anderes sagt dein Sprudel ist mir zu anstrengend – so oder so – sie sprudeln trotzdem – manchmal wünscht man sich einfach zu sein. [hab noch nie einem einfachen Menschen gegenübergesessen]

Der Fortschritt ist kaum auszuhalten – er heizt immer ein – Problem – wir haben keinen Zugriff mehr – wir sind abgehängt

Ich glaub den Auster kannst du zusammenstauchen zu dem einen Satz „nichts ist wirklicher als der Zufall“ alles andere ist Schmuck – hat er diesen Satz wirklich für sich – er ist so prägnant – er steht wahrscheinlich in der Bibel

Muss man auch erst realisieren – der Kosmos im Wandel

Der Thomas Bernhard der Peter Handke der Johnson der Philip der Cees der … all diese Ikonen … sie gehen einfach baden – ein schöner See in dem sie baden

Eigentlich haben die Leute viel mehr Text als sie bekanntgeben – wunder mich immer über das – was sie sagen – wenn es so klingt wie das, was schon gesagt wurde – wahrscheinlich aber sage ich auch nichts Besonderes

Niemand hat so viel Text wie Twitter glaube ich inzwischen auch

Twittern ist dem All etwas zurufen – manchmal antwortet es

Wenn man twittert dann doch um kreuzquer irgendwo rauszukommen

Politisch werden im Grusel des Kabinetts – was ich selbst wäre, säße ich dort – manche Erkenntnis erzeugt Bauchweh.

Der Skandal:?wir lassen zu, dass die Grundlagen menschlichen Lebens in Frage gestellt werden durch Maschinen, noch schlimmer: die Anpassung des menschlichen Geistes an die Voraussagen der Maschinen

Mann, war ich gläubig

Bin wahrscheinlich Tourist meines Lebens

Skandal: wir haben den Maschinen zu viele Rechte eingeräumt

Ich glaube – es laufen viele Illusionen durch den Raum – dass auch ich noch immer träume von etwas, was es nicht gibt .

Man wirkt so banal.

Benötige eine Pause – und weiß oder ahne es schon jetzt – der Suchtfaktor | will aber tatsächlich und endlich wieder lesen lesen lesen – Bücher lesen : diese sind am drannsten:

Ständig soll man irgendwelche Leute irgendwo abholen, und wenn man sie fragt, wo sie abzuholen sind, wissen sie es nicht selten selber nicht.

Wenn der eigene Text verunglückt – kannst du ihn selten retten – habe Text, von dem ich immer glaubte, er sei von Belang – er ist über 20 Jahre alt – und kommt mir plötzlich vor wie ein banales Gerinnsel – dort noch einmal Hand anlegen, fehlt mir Kraft. Ihn als Folie nehmen und einfach neu schreiben – gilt es zu prüfen. Bin auch weg vom romantischen sich einsam verklärenden Autor – der nur nachts zu Höhenflügen ansetzt – der nachts erzeugte Text steht morgens regelmäßig zur Disposition und kann ebenso regelmäßig weg – jenes „Nachtschreiben“ ist immer auch umzuschreiben – und „Figuren“ zuzuordnen. Ebenso wenig ertragreich – ebenso nur Bagatelle. Alles Baustelle.

Ludger Guilles war ein hagerer Mann um die Fünfzig und stemmte, eh er das Haus verließ, 15 Klimmzüge an einer Eisenstange. Im Büro grüßte er den Fahrer mit Guten Morgen, Herr Professor. Die Empfangsdame mit Guten Morgen, Frau Doktor. Sie antworteten mit Guten Morgen, der Herr.

Personenkult

Das Bedürfnis, Literatur zu personifizieren: das Personifizieren ist gutes Recht von Marketing, führt nur zu häufig dazu, dass nicht der Text an sich verhandelt wird, sondern allein sein Personal – man darf sich da nicht wundern, dass einem das Lesen vergeht.

Mensch und Maschine

2002: Der Soziologe hält Erklärungen bereit, die ihm der Algorithmus nachjustieren hilft.

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2021: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Soziologe zu interpretieren weiß.


2030: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Algorithmus ihm vorgegeben hat.

Komme in ein Alter, da Begriffe zu Dingen werden – Gefühle wirken undurchlässig – die Versuche, sie aufzuweichen, setzen Trotzreaktionen frei. Ich setzte mich an die Spree und schaute sie den Frühling besingen

wenn Joseph Beuys vorbeikäme, sie wären verrückt vor Entzückung, kommt ihnen einer unbekannt vor, glauben sie, sie selbst wären Beuys.

Die Unlust zu folgen, wem nicht zu folgen war

Bauwut, Sturm und Drang. Ein imaginierter Verriss über ein imaginatiertes Buch – kann als Schablone verwendet werden.

Im Ergebnis entsteht ein Haus, das man wahrscheinlich, wäre es gebaut, gleich umbauen muss. Ich will ständig eingreifen. Will die Extrapositionen, die Sprachwütereien zurechtstutzen, will die sinnlichen und erotischen Passagen absichern und schützen. Allein es gelingt mir nicht, der Eigenwillige wirft mir so einige Haufen um die Ohren. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl. Beim Lesen zu glauben, eingreifen zu müssen, zu wollen. Aber so leicht ist das nicht. Abgesehen davon, dass der Text druckfertig vor mir liegt. Trotzdem: Zwischen empathischem Jubel und skeptischer Neugier liegen eigene Welten – wenn man den Text skeptisch neugierig liest, gewinnt man hinzu. Geht man begeistert hinein, gibt es auf die Augen … ich muss aufpassen, dass ich nicht gereizt werde – was ich sicher missverstehe. Ich will aber nicht immerzu zerlegt werden, in Frage gestellt, filigran gestimmt und pulverisiert. Ich will mich nicht mehr missverstehen. Die Figuren nicht mehr missverstehen. Die Kunst nicht missverstehen. Ich missverstehe sie trotzdem. Plötzlich, nach dem Lesen eigenwilliger Schönheitstheorien sehe ich: Ich war gar nicht Teil des Konzepts. Ich bin außen vor. Ich darf mich beruhigen. Der Text kämpft und ringt um sich selbst. Das kann ich hinnehmen, respektieren, oder nicht. Gut, ich respektiere. Schublade auf: Ich glaube, früher nannte man das Sturm und Drang. Schublade zu. Das ist als Antwort nicht genug.

Ich lese weiter und fahre schick Achterbahn. Rauf und runter geht es, vom Körperempfinden, der Nähe, dem Kopf, dem Geist, einem metaphysischen Haufen nach dem anderen, und das sprachlich nichtmal geschliffen, Grobkörniges wird mir um die Ohren gelöffelt, bis ich Nietzsche vor mir sehe: Es gibt keine Metaphysik, es gibt nur das, was ich aus ihr beziehe.

Das ist also mal etwas anderes. Und das ist, bei aller Irritation, für mich nicht Grund zur Verzweiflung, sondern Anspruch und Herausforderung. Eigenwillig. Abdriftend. Zurück ans Fenster mit den Bäumen davor. Manchmal fast schon zu intim, wenn sich der Text seiner Liebe hingibt. Wahrscheinlich sind das die Momente, die ihn zusammenhalten, obwohl hier niemand wirklich bei sich ist. Oder?

Viel geht es ums Missverstehen. Deswegen wird so heftig geliebt, geschrieben, gereist und sich bis zur Abgenervtheit an den Schenkeln gestreichelt, auf und ab. Dass man sich selbst hat oder sicher ist, führt in jenes Verderben, das Vater und Mutter zu bemitleiden leben als unglücklich glückliches Paar.

Dabei schaue ich zu, wer sich findet wer nicht, denn Sicherheit gibt es nicht, nicht im Text. Das muss man schon aushalten: Ein Stück An- wie Unfassbares. Auch wenn es manchmal beißt, nervt, schmerzt. Oder isoliert. Oder reisend macht. Fliehend. Zurück. Ans Fenster mit den Bäumen davor. Im Hintergrund schläft er. Der gar nicht weiß, dass die Ich-Figur über ihn schreibt.

Manche Miniaturen sind so gut, dass man sich mehr davon wünscht. Manche kopflastigen Ausflüge fühlen sich wie Ausflüchte an, sind so dermaßen komisch geschrieben, dass ich schon eine Übersetzungsmaschine im Verdacht hatte. (Auch das ist nicht ohne Reiz – sehe ich vor mir noch eine Figur, die immateriell immer da ist: Die Maschine, der Computer. Die Distanzschleuder, durch die die Bauwut hindurch jagen will (und offenbar muss). Das ist nicht immer leicht. Aber man erlebt so einige Überraschungen. Wo der Text seine Selbstbezüge aufmacht, hat er seine Stärken, was gleich auch seine Schwächen sind.

ALLEINSTELLUNGSMERKMALE

Über Nacht …

eine sich freisetzende Ahnung: die Leute – wer immer sie sind, wollen es schlau, wollen Sprachwitz – für sich, zum Innehalten, zum Auftanken. Und weniger was augenscheinlich ist – die lauten Rufe und Schreie. Sich selbst freischwimmen mit wohlwollender Begleitung war immer schon tragfähig vergleichsweise zum Abtreten – oder getreten werden.

Was ist …

… eher nichts – wäre falsch. – Wenig ist begreifbar und davon genug. Das Internet gibt mir eher Verwirrspiele statt Konkretes – ich arbeite erfreut drei Romane ab – wäge sie gegeneinander ab, will meine Unrechtsstimme zähmen und wohlwollend sein. Habe auf der eigenen Seite zwei Bücher in Arbeit – will nicht erstaunt sein, sondern die Korrekturschablone hautnah und kompressbindend anlegen – spüre, wie in vielen Sätzen Luft ist, nicht nach oben, sondern abzulassen. Ausschweifungen reduzieren. Die Blasen aufstechen. Den Sprachfluss erhöhen – Blunatek steht nun in Konkurrenz zu War das verrückt – die Feststellung: Blunatek fiktional und satirisch, War das verrückt eher vom Kopf auf die Haut – weitere Feststellung: Du musst dich immer auch selbst absentieren, dich auf Abstand bringen, oder wie gelesen: einen Schritt zurücktreten: um zu sehen, wo du stehst. Soweit richtig – kaum einzuhalten, der Alltag ruft.

Zwischen den Zeiten ist nicht zwischen den Zeilen. Gib dir nicht zu viel Mühe, dich wiederzubeleben – nimm dein Jetztleben zum Anlass, dem Ernst darum seine Drohungen zu nehmen – leichter werden ist leicht gesagt – das Übergewicht der Welt hat sein eigenes längst satt. Das brauchst du niemandem mehr mitzuteilen, ohne Sprachwitz wird es zusätzlich belastend. Ganz der Vater: dem Rausch die Pointen zurückgeben, heiter, fröhlich, unbeschwert. Das Weltgewicht verleitet zur Melancholie, zum das Bessere Wünschen, zum Abschied nehmen. Dafür ist es wie immer zu früh.

Das hippe Internet

… ist nicht so hip, wie es tut, im Gegenteil: es unterläuft Dynamik und Flexibilität des Einzelnen, indem es Klickgewohnheiten generiert und ihn auf seine Manöverfläche runterzieht – wer sich in den Medien FB Insta Twitter (oder hier WordPress) bewegt – scheint durch das Viele seiner Timeline vordergründig gut bedient – ja informiert – stößt aber an seine Grenzen: die der Aufnahmefähigkeit. Die Ressourcen der eigenen Aufnahmebereitschaft sind bald gesättigt – schon braucht es Abstand oder Distanz oder Strategie. Energien, die eigenen, die aber sind gebunden. An diese eine Interaktion: sich überall durchklicken. Das Gehirn kann gar nicht verarbeiten, was es sieht, will aber mehr. Die eigene Timeline wird durch Scrollen beschleunigt. Die Stunden gehen ins Land. Am Ende eines Tages hast du zwar Weltteilnahme betrieben, die eigenen kreativen Ansätze aber verschenkt. Das augenscheinlich Hippe hat dich dazu verleitet, das eigene Interesse, die eigene Absicht hintenan zu stellen, du bist über Stunden einem Rausch verfallen und folgtest Dingen, die dich ablenken. Wie soll sich daraus ein eigenes Profil entwickeln?

Schau dich um – gehe eine Liaison mit einem Großaccount ein – ich brauch dir keine Namen nennen, du kennst sie – und wundere dich – wie dort bisweilen mehr als tausend Likes zustande kommen – ? – sieh dir das auf amerikanischen Servern an: wenn ein Tweet nicht binnen Sekunden zündet, wird er gelöscht – ein abstruser Wettbewerb um Klickofferten, um Klickperformances. Irre das, echt irre. Es schreibt einer parallel zur Fernsehtalkshow: man soll doch mal die Expertisen der letzten Tage in Sachen Corona zusammentragen und in der nächsten Verhandlungsrunde offenlegen und ein paar Stunden drüber brüten – und handelt sich 500 Likes ein. Eine Self Fulfilling Prophecy – das nämlich sagt einer, der sagen kann, was er will – es liken seine Follower, was er sagt – egal – eigentlich egal. Dumm daran: dass ich das sehe. Dass ich meine Zeit damit verbringe. Tag ein Tag aus setze ich mein Gehirn diesem aus. Und werde bisweilen regressiv – andere werden aggressiv – ich regressiv. Es richtet sich dieses Unbehagen gegen mich. Auch ich will teilhaben, will mitmachen – so aber läuft das Spiel nicht, du musst es einsehen, früher oder später – du bist nicht bühnentauglich.

Zurück zum Plot: das sogenannt hippe Internet ist nicht so hip wie es tut. Das Hippe früherer Jahre hat sich in Publikumsgeschmack vieler verwandelt. Die Mainstreamstraße hat sich verbreitert. Das Phänomen Masse Macht ist akuter denn je. Das Hippe hat sich selbst aufgesaugt, Masse im Sinn von Schwerkraft und Gravitation hat eine Größe erreicht, die nicht mehr wachsen kann (Elias Canetti) – alles ist ihr inne – der sich beschwert, wird eingekreist und stummgeschaltet – der sich extrapoliert, wird absorbiert (durch Maulkorb) oder abgestoßen (per Zurechtweisung oder Nichtbeachtung). Nun behaupten sie, sie wären im Kontext von großer zu kleiner Masse anzusehen – mitnichten – im Scherz schrieb ich: wo ist hier die Tür zum Sozialismus – alle waren sich einig, das ist kein Witz. Sie lachten aber – sie schwiegen – die Internetwaffen Schweigen, Ignorieren, Blocken, Auslachen, sie wirken. Du stehst am Rand dieser Erscheinungen – und Herr Canettti möchte ich rufen: erklären Sie mir das noch einmal mit der Meute:

Typ 1 der Meute: die Jagdmeute
Typ 2 der Meute: die Kriegsmeute
Typ 3 der Meute: die Klagemeute
Typ 4 der Meute: die Vermehrungsmeute

Sie sehen: Canetti geht willkürlich vor. Es fehlen die Schweigemeute, die Kläffermeute, die Aufrechtenmeute, die Moralistenmeute und so weiter – der Einzelne im Bezug zu all den Meuten hat keinen Bezug. Punkt. Das Reaktionäre am Internet ist seine Schwerkraft, entgegen all der Leichtsinnigen, die es mit Fröhlichkeit zu überziehen gedenken, schwebt das Massemodell Internet wie ein schwarzes Loch über dem und saugt an ihrem Verstand und ihren Ambitionen, bis sie eins werden mit dem Mo-Loch – angestrichen mit der Farbe individualistische Freiheit – die ein Stimmungsparameter ist für Launen, Gefühle, Affekte und Rituale.

Sprach es, sah es und erschrak.

Das Hippe kam über mich und nahm mich mit. Ich ertappte mich dabei, wie ich Mythen folgte. Ich ertappte mich dabei, wie ich langsamer, schwerer und gedankenversunkener wurde. Ich ertappte mich dabei, wie ich Werte hochhalten wollte. Ich ertappte mich dabei, ein leeres Gefäß anzubieten, das Gefäß war mein Kopf – in den wurde eingefüllt, was sich bietet – ich ertappte mich dabei, wie ich weiß gleich leer sagte, schwarz gleich voll. Ich ertappte mich dabei, wie ich linke und rechte Gehirnhälften vertauschte, das Musische für mathematisch hielt und das Mathematische für musisch.

Ich räumte das Feld und gab es auf. Suchte Orientierung. Suche Oritentierung. Die Versuche sich zu verorten, oder den Weg als Ziel zu beschreiben, führten dazu, dass der Weg das Ziel war und die Verortung eine Fata Morgana.

Von Innen nach Außen. Von Außen nach Innen. Ein Endlos-Monolog.

Durch Text allein entsteht kein Impetus.

Vom früher Aufstehen wurde es nicht besser.

Spielte, siegte, verlor. Stand auf und ging. Gehen Weitergehen. Ich spiele meine Niederlagen und versuche sie als Scherz zu vermitteln, ganz der Vater. Ich betete, es möge der Herr sich wieder zur Ruhe legen, und meinte ihn wie mich.

Ohne Publikum – es läuft mir nicht davon.

Was mich Twitter gelehrt hat : Text und Autor werden nicht voneinander getrennt. Das ist für den Fortschritt von Text insofern von Belang, als das Kritische um die Person jeden unkritischen Inhalt verstellt.

Kombinatorik

„Ich kann dir nicht helfen, wenn du nur den siehst, den du erwartest.“

a) du klein geschrieben : ich kann mir nicht helfen, da ich nur sehe, was mich betrifft

b) Ich kann niemandem helfen, der nur sich selbst sieht

c) Ich kann mir nicht helfen, da ich die sehe, die hinter anderem her sind

d) siehst du, wie deine Wahrnehmung alles im Sinn deiner Erwartung interpretiert?

Diesen Satz kann man appellativ sehen und missverstehen, so, als spräche jemand jemanden an und will jemanden zurechtweisen. Vielleicht will er sich auch nur selbst zurückvergewissern

Das schreibt Gregor Blum in sein Sprechstück in Dur für Saxophon und Computer – tatsächlich ist Gregor Blum ein obsessiv drängender und übergriffiger Charakter – sein Saxophon erzeugt Schaudern – eine Romanfigur.

ich stecke in einem Dilemma: alles auf mich zu beziehen – da ist dieses heldenhaft mystisch beseelte Spiel zwischen mir und Glasscheibe – und bedenke, wie viele Mails du missverstanden oder fehlinterpretiert hast.

Ein Spiel wie aus 2001/02 : ich rief im Forum etwas von Rotkäppchen und ‚für dich soll es rote Rosen regnen‘ (Knef) aus Spaß am Text, just for fun, und hatte eine Gruppe gegen mich aufgebracht, ich soll eine aus München im Visier gehabt haben – ich habe ihre Mails gehackt – anzügliches Material freigesetzt – die Telefondrähte liefen heiß, ich bekam Anrufe aus der Schweiz, aus Kaiserlautern, aus Dortmund – es dauerte ein halbes Jahr, bis sich die Wogen glätteten – so viel.

„Seit ich mir abgewöhnt habe, das, was die anderen sagen, auf mich zu beziehen, verstehe ich sie nicht mehr.“

Das lässt sich auch so sagen: seit ich mir abzugewöhnen versuche, alles auf mich zu beziehen, komme ich besser zurecht.

die soziale Bindung durch Social Media – ein Spiel mit Knöpfen. Wortwürfelmaschinen ordnen dich nach dir unbekannten Regeln zu – wer dir wichtig ist, verschwindet plötzlich vom Schirm, wem du wichtig bist, bleibt dir verborgen, das Versprechen 1:n ist mehr ein Kampf gegen die eigene Bedeutungslosigkeit, von Maschinen über dich verhängt.