Es gibt eine Ambivalenz zwischen Innen und Außen – von innen heraus will ich etwas sagen – von außen gibt es einen Druck, es zu verschweigen. Das Außen ist in der Mehrheit – da braucht es kraftvolle Worte – das aber wären Worte, die das Innere so nicht wollte.

Beim Lesen daran gedacht, dem Buch kein weiteres Kapitel zu schenken, sondern mein eigenes Leben umzuschreiben, dort erst scheint er kontrollierbar, der Selbstbezug. Auch wurde mir bewusst, dass mit jedem Hinweis auf eine andere Figur als die, die ich war, die Möglichkeiten zunahmen, sich selbst auszuweisen, gleich auch die Wahrscheinlichkeit zunahm, dass der andere, der ich dadurch würde, ein Ausstellungsstück war seiner verpassten Möglichkeiten. Wieder eine Figur an die Wirklichkeit verloren, könnte ich behaupten, und würde die Wirklichkeit nicht mehr mit Wahrheiten verwechseln. Sehen Sie, wie einfach und banal das alles wird, wenn Sie sich selbst aus dem Weg gehen.

Paarbildungen

Wieder viel erfahren und gehört von Distinktion und Mobbing und Gesprächskultur und Seilschaften – kein Gespräch möglich mit dem Bezirksbürgermeister – deswegen trifft man sich vor Gericht.

Sie wollen Rosengärten pflanzen in der Stadt

Jazz als Requiem

Romantische Momente harter Arbeit

Lieblingsspiel der Modernen – Personenkult.

– Wenn sich alles bewegt, wird das Navigieren für viele schwierig – Orientierung ist Selbstbestimmung. Es geht darum zu wissen, was man tut und wer man ist, während man es tut. Dazu muss man nicht den Kontext aufräumen, sondern den eigenen Standpunkt nachbessern.

Die Orientierungslosigkeit als größte Schwachstelle des Betriebs

Muss man wohl umschreiben in: wo die Zuordnungen verloren gehen, ist niemand bindend prüfbar oder in der Verantwortung – deckt sich mit meinen Beobachtungen: das Wegducken und Rausnehmen und Vonsichweisen führt zur „Selbstmaterialisierung“ – das selbstbewusste Ich verschwindet und weist jede Verantwortung von sich – es macht sich selbst zum Teil von Etwas. Versteckt sich hinter Gruppen – in denen Aussagen reihum verschoben werden, das erzeugt weitere Nicht-Zuordnungen. Ein massiver Affront gegen Renaissance und der mit ihr einher proklamierten Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Die Eigenständigkeit weicht der Säulenordnung.

Endzeit der Moderne

Endzeitmoderne – Ein Skandal – dass wir vor Glasscheiben sitzen – Die BigFive MS, Ama, Apfel, FB und Go sind der sozialmediale Skandal von gestern und wer sich das wegen der Klischees anschaut, wird schnell gelangweilt sein.

Social Media unter der Regie von BigFive ist die umfangreichste mediale Fehlkonstruktion, die sich die Moderne geleistet hat.

Die Moderne ist mit zwei Versprechen angetreten: dem nach Verbesserung gesellschaftlicher Umstände auf Basis der Vernunft und dem nach individueller Freiheit und Glück – herausgekommen sind Gemotze – Sonntagseinsamkeit und Deprivation – jeder unterstellt jedem auf Basis der Bauchgefühle Notbesetztes – Unterstellungen, die zum Schweigen bringen, sind Lieblingsspiel der Selbstisolierten, abgefüttert mit Illusionen des Selbst.

Die Selbstverwirklichungsverlockung ist größer als das Verantwortungsgefühl

Freiheit will nicht den Diskurs, sondern Bereicherung des Selbst

Marginalisierung und Distinktion stehen im Kurs

Die Verlockungen einer Hochleistungsmoderne überspielen jedes humane, soziale und mitverantwortliche Gewissen.

Die Beschwerden sind jeweils selbstredend, selbstrettend und selbsterhöhend.

Das sich selbst entfaltende Ich soll im Verhältnis zum sich einbringenden Ich vergrößert werden nicht im Sinn einer gemeinschaftlichen Ausrichtung (vernünftige und humane Fürsorge), sondern im Sinn einer Vergötterung der eigenen Übergröße (selbstreflexiv und der Stärkere gewinnt)

Die Phantasie wird den Maschinen geschenkt, die reduplizieren den größten gemeinsamen Nenner und überlassen Nische, Vielfalt und Nichtübereinstimmung der Selbsterniedrigung. Alles gleicht sich einander an und führt sich selbst ad adsurdum

Panik getriebene Hochleistungsfetischisten setzen die Trends zur Egotripverstärkung.

Familiärer Form- und Gestaltungszwang hier, die Idee von Individualität und größtmöglicher Gestaltungsfreiheit dort.

Wer die Besinnung auf familiäre Strukturen fordert, gilt als Modernisierungsverweigerer. Wer das gleiche für die neuen Medien fordert, gilt als radikaler Erneuerer – wer seine Blase zu Framen versteht als zukunftstauglich.

Das Mitmach-Projekt der Jahrtausendwende ist längst einem Ich-mach-meins-du-deins-Understatement einer Selbstisolationsstrategie geopfert.

Verrückte Leute bauen sich ein verrücktes Internet und das verrückte Internet macht die Leute verrückt.

sehe die Zornigen ihre Stöcke erheben – und ebenfalls nur Ungefähres andeuten.

Nur wer sich anpasst wird adaptiert – so weit – wie es als Wiedererkennbarkeit durchscheint – wer sich individuell darstellt wird eingesperrt oder ignoriert – was scheinbar im Widerspruch steht zum Willen, sich selbst über alles zu stellen – die Grenze eines jeden Individuellen ist die Nicht-Kommunizierbarkeit seines Individuellen – laut sein und widersprüchlich und effektengetrieben steht dem keineswegs entgegen, sondern verstärkt den Impetus der Selbsterfüllung denen gegenüber, die nicht mehr folgen können und aussteigen oder sich fürs Schweigen entscheiden.

Rahmen bilden – Überschaubarkeit – Komposition – alles was will ist schon gewollt.

Die Verklärung von Veränderungswillen zum Progressiven oder Radikalen ist nur Frage der Zeit

Das alles will vor allem einen verbogenen und regressiven Freiheitsbegriff – die Freiheit der wenigen mit Kapital den vielen ohne Kapital auch das Nichtvorhandene zu nehmen – sogesehen: die Erfolgreichen, die sich den Ast, auf dem sie sitzen, gleich mit absägen – haben sie nicht genug verdient ? Was wollen sie sich noch kaufen, sie haben alles gekauft – allein – sie können es bald nicht mehr verkaufen – da alle pleite sind.

Abgehalfterte Skandalisierung : man reitet die Themen so lange, bis das Pferd nicht mehr kann.

Die Missdeuterei ebenso wie die Verächtlichmachung oder die Selbstüberschätzung und Arroganz – das Schweigen der anderen – all das macht stumpf und ebenso verächtlich, selbstverliebt wie selbstgerecht – die letzte Selbstschutzmaßnahme – wie die Moderne ihre Schlussphase einläutet.

Wir haben alles gehabt, alles gesehen, die Moderne war unser letzte Stil ebenso wie unsere einzige Stillosigkeit, da wir alle Modernephasen höchst modernekompetent miteinander vermengten – es wird keinen neuen Stil mehr geben. Wir stehen nicht am Ende der Geschichte (end of history) sondern mittendrin in der nie endenden Geschichte (the never ending histories)

Die Wortspiele lassen sich unendlich fortführen – ein Loop – die Achterbahn – das Memorial of Modern Art.

Paraphrasen des Verzichts

Alles bitte in Prototypen an der Garderobe abliefern – dass „Figuren keine Entwicklung durchmachen“, das „miese Bauchgefühl“, „über Geschmack lässt sich nicht streiten“, „wie machen das die Profis?“ „Problem Nummer eins.“ „Lebensverzicht.“ „Verortung.“

Gestern am Alex – Betrunkener fällt aus Straßenbahn, junger Mann springt bei, Strabafahrer springt bei, ich springe bei – wir helfen ihm auf Beine und Krücken – wuchten ihn an ein Geländer – Strabafahrer telefoniert Sanitäter herbei – wo wohnen Sie? Ich hab’ kein Zuhause –

Wir warten auf Sanitäter – Strabafahrer erzählt: was kann ich schon machen, außer beobachten, es kommt schonmal vor, dass welche einsteigen und die Straba mit ihrer Wohnung verwechseln – er habe ohnehin das Gefühl, die Straba sei für viele ihr zweites Zuhause – er könne Bücher…

… erst wenn sie sich in der Straba einrichten wie Zuhause, stoppe er die Straba – und lasse sich aber ungern beschimpfen, wenn erst Schuhe und Strümpfe ausgezogen sind – unser Mann wurde den Sanitätern überlassen, erste Frage: Was haben Sie für ein Problem? Er schaute mich an.

Das alles als Spiel betrachten und betreiben – kommt nicht mehr hin – die eigene Lebenserwartung setzt Grenzen – will auch nicht als Opapa stumm im Stuhl sitzen, will kein Teil einer Gemütlichkeitsfraktion sein, verfolge und beobachte aber, wie andere erwarten, dass ihnen ein Butler beisteht – war versucht vorzuschlagen, dass an jeder Ecke im Büro ein Butler stehe mit weißen Handschuhen und gerne sagt, nicht dafür bitte gerne – wie er am Drucker das Papier wechselt, wie er die Mülltonnen ausspült, das Geschirr sortiert oder die Laptops richtet. Damit sinnfällige Gespräche geführt werden können über die Projekte, die im Verzug sind – die nicht im Verzug wären, wenn auch auf den Baustellen die Weißbehandschuhten auftauchten.

Worauf warten wir noch ? – dass irgendjemand anklopft und den Weg zur Kirmes, zum Riesenrad, zum Konzert zeigt?

Ich sehe die Ödnis der Volksbühnenbilder vor dem inneren Auge an mir vorbeiziehen. Zwei von denen, die wir die lange Nacht der Nibelungen durchmachten, sind schon nicht mehr – fragen mich stattdessen diese notgeborenen Sätze. Worauf warten wir noch? Wir sind schon fort.

Architexturen

Mit dem Schreiben ist es wie mit der Architektur: Entwerfen heißt Verwerfen. Objekten musst du auf Distanz gehen. Subjektives musst du von dir wegdrücken. Es braucht Jahre zu erkennen oder einzuschätzen, was die anderen machen, in welchem Kontext sie aktiv sind – die Begriffe Zeitgeist oder Stimmung der Zeit oder gar Tagespolitisches sind ungefähr so wichtig wie das sich wiederholende Wäschefalten oder Kühlschrankfüllen oder die Weinvorräte verknappen – die eigentlichen Essentials bist du verpflichtet, selbst herauszuarbeiten – und das heißt wieder und wieder Distanz einbringen zwischen dich und die Objekte – da Entwerfen wie Schreiben immer auch die Nahdistanz beeinflussen – braucht es erstrecht Objektives, Moderierendes, Beistand oder Abstand – wie häufig schon ging ich mir selbst auf den Leim. Fieses Sprichwort – aber richtig. Vieles der ersten Entwürfe lesen sich verklebt, tranig, zu ernsthaft betrieben und in ihren Details häufig wie ein Destillat eines triefenden Bewusstseins, das sich romantisch verfängt. Deswegen eine Zeit lang Lakonisches, Kurzes, Prägnantes angesagt war – ich denke an „das Badezimmer“ von Jean-Philippe Toussaint: hier du den umgekehrten Effekt hast: wenn du das Buch noch einmal beginnst nach über 30 Jahren Abstand, nun – das merkst du gleich auch – Distanz und Abstand können zu groß werden : die Haltbarkeit (sie haben „das Badezimmer“ tatsächlich 2005 noch einmal übersetzt) – selbst solch kleiner Kunststücke ist nicht unbegrenzt – Schreiben und Architektur haben eins gemein: den oder die kritischen Nutzerinnen und Nutzer gleichermaßen unzufrieden zurückzulassen, – ihre Funktion, ihr Raum, ihre Konstruktion, ihre Form, all das will nämlich durchdacht sein und trotzdem läufst du Gefahr, dass sie sich abwenden – selbstzeitloses Glück findest du beim Baden im See, beim Pflücken von Obst, beim Anblick von Bildern für Momente – das Verhältnis aber von eingebrachter Zeit zu mitgenommener Zeit ist für die Zeit des Arbeitens an „deinem Werk“ eher als würdest du nostalgisch aus der Kurve getrieben. Schreiben und Architektur haben gemein: ihr Scheitern an ihrem Anspruch. Deswegen so viel gepfuscht wird – hier wie dort

Hans Poelzig (1869 – 1936) Innenraumstudie – nicht datiert

Microsoft hat mich im Griff – am Abend beim Update des Printservers der Stillstand des Printservers – mit schwarz bleibendem Monitor – plus+ Neuaufsetzen des Printservers – 5 Stunden unruhiger Schlaf – am Morgen die Meldung aus HH – ein Monitor zeige Pixel – wenn du oben einsteigst, du fällst garantiert unten raus.

Ich habe verstanden : manche Dinge will man wirklich (nicht mehr) wissen

Wann hatte ich zuletzt dieses Knacken im Ohr nicht? Wo ich immer Headset cool rumtue – als hätte ich noch irgendwas im Griff

Der Skandal schlechthin : wir reden vom Schweigen? – nein wir reden von Fortschritt und gucken zu.

Der Skandal am Skandal : wir haben uns daran gewöhnt, fürchte aber, da staut sich was

wir lassen uns diktieren durch Maschinen?

Es macht kaum Sinn mit sich selbst zu reden – die Digitalen Medien verleiten mich aber dazu. (Bis ich mir über bin) Eine seltsame Hochzeit : ich heirate mich, um mich von mir zu trennen

Twitter ist wie früher dpa – der Ticker aus dem gefischt wird

Die Zuordnungen sind mir inzwischen egal – es herrscht Prinzip Zufall – der Theologe dagegen behauptet, es gibt keine Zufälle. Was sich da offensichtlich widerspricht wird dann zusammengeführt in Übersinnliches, weg vom Ausbruch selbstverschuldeter Unmündigkeit hin zur gesuchten Selbstzähmung

Ein Gehirn sprudelt ein anderes sagt dein Sprudel ist mir zu anstrengend – so oder so – sie sprudeln trotzdem – manchmal wünscht man sich einfach zu sein. [hab noch nie einem einfachen Menschen gegenübergesessen]

Der Fortschritt ist kaum auszuhalten – er heizt immer ein – Problem – wir haben keinen Zugriff mehr – wir sind abgehängt

Ich glaub den Auster kannst du zusammenstauchen zu dem einen Satz „nichts ist wirklicher als der Zufall“ alles andere ist Schmuck – hat er diesen Satz wirklich für sich – er ist so prägnant – er steht wahrscheinlich in der Bibel

Muss man auch erst realisieren – der Kosmos im Wandel

Der Thomas Bernhard der Peter Handke der Johnson der Philip der Cees der … all diese Ikonen … sie gehen einfach baden – ein schöner See in dem sie baden

Eigentlich haben die Leute viel mehr Text als sie bekanntgeben – wunder mich immer über das – was sie sagen – wenn es so klingt wie das, was schon gesagt wurde – wahrscheinlich aber sage ich auch nichts Besonderes

Niemand hat so viel Text wie Twitter glaube ich inzwischen auch

Twittern ist dem All etwas zurufen – manchmal antwortet es

Wenn man twittert dann doch um kreuzquer irgendwo rauszukommen

Politisch werden im Grusel des Kabinetts – was ich selbst wäre, säße ich dort – manche Erkenntnis erzeugt Bauchweh.

Der Skandal:?wir lassen zu, dass die Grundlagen menschlichen Lebens in Frage gestellt werden durch Maschinen, noch schlimmer: die Anpassung des menschlichen Geistes an die Voraussagen der Maschinen

Mann, war ich gläubig

Bin wahrscheinlich Tourist meines Lebens

Skandal: wir haben den Maschinen zu viele Rechte eingeräumt

Ich glaube – es laufen viele Illusionen durch den Raum – dass auch ich noch immer träume von etwas, was es nicht gibt .

Man wirkt so banal.

Benötige eine Pause – und weiß oder ahne es schon jetzt – der Suchtfaktor | will aber tatsächlich und endlich wieder lesen lesen lesen – Bücher lesen : diese sind am drannsten:

Ständig soll man irgendwelche Leute irgendwo abholen, und wenn man sie fragt, wo sie abzuholen sind, wissen sie es nicht selten selber nicht.

Wenn der eigene Text verunglückt – kannst du ihn selten retten – habe Text, von dem ich immer glaubte, er sei von Belang – er ist über 20 Jahre alt – und kommt mir plötzlich vor wie ein banales Gerinnsel – dort noch einmal Hand anlegen, fehlt mir Kraft. Ihn als Folie nehmen und einfach neu schreiben – gilt es zu prüfen. Bin auch weg vom romantischen sich einsam verklärenden Autor – der nur nachts zu Höhenflügen ansetzt – der nachts erzeugte Text steht morgens regelmäßig zur Disposition und kann ebenso regelmäßig weg – jenes „Nachtschreiben“ ist immer auch umzuschreiben – und „Figuren“ zuzuordnen. Ebenso wenig ertragreich – ebenso nur Bagatelle. Alles Baustelle.

schnell noch einen Imbiss ziehen…

Ihre Geschichte verrutscht in den Alltag eines Architekten, der keine Sicherheit im Job hat, ganz Anfänger steht er vor der Schwierigkeit, wie Theorie und Praxis sich zueinander verhalten, die Praxis eines Architekten sich von der Ausübung als Künstler unterscheidet, da der Architekt ein Leben vor Linien auf dem Bildschirm verbringt – hinter dem sich Deckendurchbruch, Tiefgaragenstellplatz und Grundstücksgrenze verbergen – der Künstler dagegen all seine Absichten an der Garderobe abgehängt hat, bis auch der letzte künstlerische Kopfraum ausgeleuchtet scheint insofern, als es dunkel wird in der künstlerischen Ausübung, das tiefschwarze Quadrat von Malewitsch alles bezwungen zu haben scheint, was einmal Mutter der Künste war oder als Komposition und Goldener Schnitt durch den Kopf mäanderte. Der Künstler hat kein Geld, seine Kunst keinen Mentor. Er wartet die nächsten Jahre vergebens, dass die Tür zur Kunst sich öffnet. Sie scheint verstellt durch Pragmatismus und Funktion, nicht mehr Raum, nicht mehr Form, nur Konstruktion und Funktion. Gelähmt von der Null-Option des Alltags, es gibt Ratgeber und Zeitschriften, Lovestorys und Debatten ums Gesundheitliche auf inzwischen achtzig Quadratmeter bürgerlichem Wohlfühlniveau, wer will da klagen? Geträumt das Besondere, ins Wohnzimmer geholt per Drag und Drop. Sie ist mit ihm in den Hans Scharoun. Mit ihm in die Oper. Und muss aufpassen, dass sie ihn nicht mein Leo ruft. Kein erotisches am Weinglas Nippen, keine verstohlenen Blicke, sondern Abwarten, wann der nächste Streit ausbricht.

Ludger Guilles war ein hagerer Mann um die Fünfzig und stemmte, eh er das Haus verließ, 15 Klimmzüge an einer Eisenstange. Im Büro grüßte er den Fahrer mit Guten Morgen, Herr Professor. Die Empfangsdame mit Guten Morgen, Frau Doktor. Sie antworteten mit Guten Morgen, der Herr.

Personenkult

Das Bedürfnis, Literatur zu personifizieren: das Personifizieren ist gutes Recht von Marketing, führt nur zu häufig dazu, dass nicht der Text an sich verhandelt wird, sondern allein sein Personal – man darf sich da nicht wundern, dass einem das Lesen vergeht.

Mensch und Maschine

2002: Der Soziologe hält Erklärungen bereit, die ihm der Algorithmus nachjustieren hilft.

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2021: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Soziologe zu interpretieren weiß.


2030: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Algorithmus ihm vorgegeben hat.

Komme in ein Alter, da Begriffe zu Dingen werden – Gefühle wirken undurchlässig – die Versuche, sie aufzuweichen, setzen Trotzreaktionen frei. Ich setzte mich an die Spree und schaute sie den Frühling besingen

Was nicht in den Kopf will: warum literarische Kreise unter sich bleiben [wollen] und sich noch untereinander einkreisen – ihre Leser und Leserinnen sind außerhalb ihrer Zirkel zu finden. Dort gibt es viele mehr, wenn nicht nur dort.

Es liegt offenbar ein Irrglaube vor: gute Literatur sei wohl die, die von Literaten respektiert wird. Schreite ich meine Bücherwand ab, sehe ich Literaturen, die Eifersucht, Neid, Missgunst und Rivalität erzeugten. Und die, die leidlich gelitten wurden. [und kein Publikum fanden]

wenn Joseph Beuys vorbeikäme, sie wären verrückt vor Entzückung, kommt ihnen einer unbekannt vor, glauben sie, sie selbst wären Beuys.

brauche mehr Social, weniger Media

Der Medienterror kurz vor Blackout – hektisch, laut, schreiend – muss krachender sein und exzessiver als alles, was schon da war – unruhiges Atmen, dunkle Schläge, das Klavier längst abgelöst durch grollenden Bass, der Halbtote wird wach und will los, weil Kate seine Waffe hat.

Ich saß da und war erstaunt, wie sanft sie gepflegt wurde, wie unsanft dagegen meine Gedanken. Ich hätte früher aufhören sollen, sie bezwingen zu wollen, dachte ich, jetzt, da sie sich selbst verlor.

Die Unlust zu folgen, wem nicht zu folgen war

Bauwut, Sturm und Drang. Ein imaginierter Verriss über ein imaginatiertes Buch – kann als Schablone verwendet werden.

Im Ergebnis entsteht ein Haus, das man wahrscheinlich, wäre es gebaut, gleich umbauen muss. Ich will ständig eingreifen. Will die Extrapositionen, die Sprachwütereien zurechtstutzen, will die sinnlichen und erotischen Passagen absichern und schützen. Allein es gelingt mir nicht, der Eigenwillige wirft mir so einige Haufen um die Ohren. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl. Beim Lesen zu glauben, eingreifen zu müssen, zu wollen. Aber so leicht ist das nicht. Abgesehen davon, dass der Text druckfertig vor mir liegt. Trotzdem: Zwischen empathischem Jubel und skeptischer Neugier liegen eigene Welten – wenn man den Text skeptisch neugierig liest, gewinnt man hinzu. Geht man begeistert hinein, gibt es auf die Augen … ich muss aufpassen, dass ich nicht gereizt werde – was ich sicher missverstehe. Ich will aber nicht immerzu zerlegt werden, in Frage gestellt, filigran gestimmt und pulverisiert. Ich will mich nicht mehr missverstehen. Die Figuren nicht mehr missverstehen. Die Kunst nicht missverstehen. Ich missverstehe sie trotzdem. Plötzlich, nach dem Lesen eigenwilliger Schönheitstheorien sehe ich: Ich war gar nicht Teil des Konzepts. Ich bin außen vor. Ich darf mich beruhigen. Der Text kämpft und ringt um sich selbst. Das kann ich hinnehmen, respektieren, oder nicht. Gut, ich respektiere. Schublade auf: Ich glaube, früher nannte man das Sturm und Drang. Schublade zu. Das ist als Antwort nicht genug.

Ich lese weiter und fahre schick Achterbahn. Rauf und runter geht es, vom Körperempfinden, der Nähe, dem Kopf, dem Geist, einem metaphysischen Haufen nach dem anderen, und das sprachlich nichtmal geschliffen, Grobkörniges wird mir um die Ohren gelöffelt, bis ich Nietzsche vor mir sehe: Es gibt keine Metaphysik, es gibt nur das, was ich aus ihr beziehe.

Das ist also mal etwas anderes. Und das ist, bei aller Irritation, für mich nicht Grund zur Verzweiflung, sondern Anspruch und Herausforderung. Eigenwillig. Abdriftend. Zurück ans Fenster mit den Bäumen davor. Manchmal fast schon zu intim, wenn sich der Text seiner Liebe hingibt. Wahrscheinlich sind das die Momente, die ihn zusammenhalten, obwohl hier niemand wirklich bei sich ist. Oder?

Viel geht es ums Missverstehen. Deswegen wird so heftig geliebt, geschrieben, gereist und sich bis zur Abgenervtheit an den Schenkeln gestreichelt, auf und ab. Dass man sich selbst hat oder sicher ist, führt in jenes Verderben, das Vater und Mutter zu bemitleiden leben als unglücklich glückliches Paar.

Dabei schaue ich zu, wer sich findet wer nicht, denn Sicherheit gibt es nicht, nicht im Text. Das muss man schon aushalten: Ein Stück An- wie Unfassbares. Auch wenn es manchmal beißt, nervt, schmerzt. Oder isoliert. Oder reisend macht. Fliehend. Zurück. Ans Fenster mit den Bäumen davor. Im Hintergrund schläft er. Der gar nicht weiß, dass die Ich-Figur über ihn schreibt.

Manche Miniaturen sind so gut, dass man sich mehr davon wünscht. Manche kopflastigen Ausflüge fühlen sich wie Ausflüchte an, sind so dermaßen komisch geschrieben, dass ich schon eine Übersetzungsmaschine im Verdacht hatte. (Auch das ist nicht ohne Reiz – sehe ich vor mir noch eine Figur, die immateriell immer da ist: Die Maschine, der Computer. Die Distanzschleuder, durch die die Bauwut hindurch jagen will (und offenbar muss). Das ist nicht immer leicht. Aber man erlebt so einige Überraschungen. Wo der Text seine Selbstbezüge aufmacht, hat er seine Stärken, was gleich auch seine Schwächen sind.

ALLEINSTELLUNGSMERKMALE

sich selbst richtig einschätzen lernen im Verhältnis zu.

Wenn du dich für individuell und frei hältst – setz dich denen aus, die du für individuell und frei hältst – du wirst sehen, wie gefährdet die eigene Individualität ist, wie sie verblasst. Die Grenzen ließen sich auch erweitern durch ein Ausstiegs-Déjà-vu – erprobt und für nicht praktikabel befunden. Du begegnest nur dir selbst. Umgekehrt das sich den anderen Zuwenden nicht ungefährlich bleibt. Sich einfach neben sie stellen und zuhören vielleicht? Im Kumpelnest rumstehen und hören und staunen und sehen was geschieht – der am Morgen in dir festsitzende Geruch nach kaltem Nikotin.

Ich verweise auf ein interessantes Musikprojekt : Kelvin Scholar Trio im Transkript von Igor Strawinsky

Über Nacht …

eine sich freisetzende Ahnung: die Leute – wer immer sie sind, wollen es schlau, wollen Sprachwitz – für sich, zum Innehalten, zum Auftanken. Und weniger was augenscheinlich ist – die lauten Rufe und Schreie. Sich selbst freischwimmen mit wohlwollender Begleitung war immer schon tragfähig vergleichsweise zum Abtreten – oder getreten werden.

Was ist …

… eher nichts – wäre falsch. – Wenig ist begreifbar und davon genug. Das Internet gibt mir eher Verwirrspiele statt Konkretes – ich arbeite erfreut drei Romane ab – wäge sie gegeneinander ab, will meine Unrechtsstimme zähmen und wohlwollend sein. Habe auf der eigenen Seite zwei Bücher in Arbeit – will nicht erstaunt sein, sondern die Korrekturschablone hautnah und kompressbindend anlegen – spüre, wie in vielen Sätzen Luft ist, nicht nach oben, sondern abzulassen. Ausschweifungen reduzieren. Die Blasen aufstechen. Den Sprachfluss erhöhen – Blunatek steht nun in Konkurrenz zu War das verrückt – die Feststellung: Blunatek fiktional und satirisch, War das verrückt eher vom Kopf auf die Haut – weitere Feststellung: Du musst dich immer auch selbst absentieren, dich auf Abstand bringen, oder wie gelesen: einen Schritt zurücktreten: um zu sehen, wo du stehst. Soweit richtig – kaum einzuhalten, der Alltag ruft.

Zwischen den Zeiten ist nicht zwischen den Zeilen. Gib dir nicht zu viel Mühe, dich wiederzubeleben – nimm dein Jetztleben zum Anlass, dem Ernst darum seine Drohungen zu nehmen – leichter werden ist leicht gesagt – das Übergewicht der Welt hat sein eigenes längst satt. Das brauchst du niemandem mehr mitzuteilen, ohne Sprachwitz wird es zusätzlich belastend. Ganz der Vater: dem Rausch die Pointen zurückgeben, heiter, fröhlich, unbeschwert. Das Weltgewicht verleitet zur Melancholie, zum das Bessere Wünschen, zum Abschied nehmen. Dafür ist es wie immer zu früh.

Das hippe Internet

… ist nicht so hip, wie es tut, im Gegenteil: es unterläuft Dynamik und Flexibilität des Einzelnen, indem es Klickgewohnheiten generiert und ihn auf seine Manöverfläche runterzieht – wer sich in den Medien FB Insta Twitter (oder hier WordPress) bewegt – scheint durch das Viele seiner Timeline vordergründig gut bedient – ja informiert – stößt aber an seine Grenzen: die der Aufnahmefähigkeit. Die Ressourcen der eigenen Aufnahmebereitschaft sind bald gesättigt – schon braucht es Abstand oder Distanz oder Strategie. Energien, die eigenen, die aber sind gebunden. An diese eine Interaktion: sich überall durchklicken. Das Gehirn kann gar nicht verarbeiten, was es sieht, will aber mehr. Die eigene Timeline wird durch Scrollen beschleunigt. Die Stunden gehen ins Land. Am Ende eines Tages hast du zwar Weltteilnahme betrieben, die eigenen kreativen Ansätze aber verschenkt. Das augenscheinlich Hippe hat dich dazu verleitet, das eigene Interesse, die eigene Absicht hintenan zu stellen, du bist über Stunden einem Rausch verfallen und folgtest Dingen, die dich ablenken. Wie soll sich daraus ein eigenes Profil entwickeln?

Schau dich um – gehe eine Liaison mit einem Großaccount ein – ich brauch dir keine Namen nennen, du kennst sie – und wundere dich – wie dort bisweilen mehr als tausend Likes zustande kommen – ? – sieh dir das auf amerikanischen Servern an: wenn ein Tweet nicht binnen Sekunden zündet, wird er gelöscht – ein abstruser Wettbewerb um Klickofferten, um Klickperformances. Irre das, echt irre. Es schreibt einer parallel zur Fernsehtalkshow: man soll doch mal die Expertisen der letzten Tage in Sachen Corona zusammentragen und in der nächsten Verhandlungsrunde offenlegen und ein paar Stunden drüber brüten – und handelt sich 500 Likes ein. Eine Self Fulfilling Prophecy – das nämlich sagt einer, der sagen kann, was er will – es liken seine Follower, was er sagt – egal – eigentlich egal. Dumm daran: dass ich das sehe. Dass ich meine Zeit damit verbringe. Tag ein Tag aus setze ich mein Gehirn diesem aus. Und werde bisweilen regressiv – andere werden aggressiv – ich regressiv. Es richtet sich dieses Unbehagen gegen mich. Auch ich will teilhaben, will mitmachen – so aber läuft das Spiel nicht, du musst es einsehen, früher oder später – du bist nicht bühnentauglich.

Zurück zum Plot: das sogenannt hippe Internet ist nicht so hip wie es tut. Das Hippe früherer Jahre hat sich in Publikumsgeschmack vieler verwandelt. Die Mainstreamstraße hat sich verbreitert. Das Phänomen Masse Macht ist akuter denn je. Das Hippe hat sich selbst aufgesaugt, Masse im Sinn von Schwerkraft und Gravitation hat eine Größe erreicht, die nicht mehr wachsen kann (Elias Canetti) – alles ist ihr inne – der sich beschwert, wird eingekreist und stummgeschaltet – der sich extrapoliert, wird absorbiert (durch Maulkorb) oder abgestoßen (per Zurechtweisung oder Nichtbeachtung). Nun behaupten sie, sie wären im Kontext von großer zu kleiner Masse anzusehen – mitnichten – im Scherz schrieb ich: wo ist hier die Tür zum Sozialismus – alle waren sich einig, das ist kein Witz. Sie lachten aber – sie schwiegen – die Internetwaffen Schweigen, Ignorieren, Blocken, Auslachen, sie wirken. Du stehst am Rand dieser Erscheinungen – und Herr Canettti möchte ich rufen: erklären Sie mir das noch einmal mit der Meute:

Typ 1 der Meute: die Jagdmeute
Typ 2 der Meute: die Kriegsmeute
Typ 3 der Meute: die Klagemeute
Typ 4 der Meute: die Vermehrungsmeute

Sie sehen: Canetti geht willkürlich vor. Es fehlen die Schweigemeute, die Kläffermeute, die Aufrechtenmeute, die Moralistenmeute und so weiter – der Einzelne im Bezug zu all den Meuten hat keinen Bezug. Punkt. Das Reaktionäre am Internet ist seine Schwerkraft, entgegen all der Leichtsinnigen, die es mit Fröhlichkeit zu überziehen gedenken, schwebt das Massemodell Internet wie ein schwarzes Loch über dem und saugt an ihrem Verstand und ihren Ambitionen, bis sie eins werden mit dem Mo-Loch – angestrichen mit der Farbe individualistische Freiheit – die ein Stimmungsparameter ist für Launen, Gefühle, Affekte und Rituale.

Sprach es, sah es und erschrak.

Das Hippe kam über mich und nahm mich mit. Ich ertappte mich dabei, wie ich Mythen folgte. Ich ertappte mich dabei, wie ich langsamer, schwerer und gedankenversunkener wurde. Ich ertappte mich dabei, wie ich Werte hochhalten wollte. Ich ertappte mich dabei, ein leeres Gefäß anzubieten, das Gefäß war mein Kopf – in den wurde eingefüllt, was sich bietet – ich ertappte mich dabei, wie ich weiß gleich leer sagte, schwarz gleich voll. Ich ertappte mich dabei, wie ich linke und rechte Gehirnhälften vertauschte, das Musische für mathematisch hielt und das Mathematische für musisch.

Ich räumte das Feld und gab es auf. Suchte Orientierung. Suche Oritentierung. Die Versuche sich zu verorten, oder den Weg als Ziel zu beschreiben, führten dazu, dass der Weg das Ziel war und die Verortung eine Fata Morgana.

Von Innen nach Außen. Von Außen nach Innen. Ein Endlos-Monolog.

Durch Text allein entsteht kein Impetus.

Vom früher Aufstehen wurde es nicht besser.

Spielte, siegte, verlor. Stand auf und ging. Gehen Weitergehen. Ich spiele meine Niederlagen und versuche sie als Scherz zu vermitteln, ganz der Vater. Ich betete, es möge der Herr sich wieder zur Ruhe legen, und meinte ihn wie mich.

Ohne Publikum – es läuft mir nicht davon.

MS True

So wünscht sich Microsoft das wohl:

Seit 1989 – zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen mehr als 30 Jahre – genau die Jahre – die sie mir schenken wollten als Blue Chip Hoffnung – als Performance – und was du dir vom Fahrer anhörst, ist : sei froh, dass du was zu tun hast – hätte den Absprung nehmen sollen 2002 – hätte ihn nehmen können 2006 – habe ihn verpasst 2012 – versuche dieses Jahr wieder die Biege zu nehmen : es bleibt nur die Nerderei – der Fortschritt findet woanders statt: bin so frei zu behaupten: MS war die Wundertüte, uns in die Irre zu führen, während wir uns mit Bluescreen und Domänencontroller rumschlugen, entwickelten sie „ihr“ Internet – weit und breit keine Gegenentwürfe – auch China nur als Clon oder Kopist in Erscheinung tritt. Europaweit nun der Corona-Blues auf das.

Was mir Twitter gelehrt hat : Text und Autor werden nicht voneinander getrennt. Das ist für den Fortschritt von Text insofern von Belang, als das Kritische um die Person jeden unkritischen Inhalt verstellt.

Kombinatorik

„Ich kann dir nicht helfen, wenn du nur den siehst, den du erwartest.“

a) du klein geschrieben : ich kann mir nicht helfen, da ich nur sehe, was mich betrifft

b) Ich kann niemandem helfen, der nur sich selbst sieht

c) Ich kann mir nicht helfen, da ich die sehe, die hinter anderem her sind

d) siehst du, wie deine Wahrnehmung alles im Sinn deiner Erwartung interpretiert?

Diesen Satz kann man appellativ sehen und missverstehen, so, als spräche jemand jemanden an und will jemanden zurechtweisen. Vielleicht will er sich auch nur selbst zurückvergewissern

Das schreibt Gregor Blum in sein Sprechstück in Dur für Saxophon und Computer – tatsächlich ist Gregor Blum ein obsessiv drängender und übergriffiger Charakter – sein Saxophon erzeugt Schaudern – eine Romanfigur.

ich stecke in einem Dilemma: alles auf mich zu beziehen – da ist dieses heldenhaft mystisch beseelte Spiel zwischen mir und Glasscheibe – und bedenke, wie viele Mails du missverstanden oder fehlinterpretiert hast.

Ein Spiel wie aus 2001/02 : ich rief im Forum etwas von Rotkäppchen und ‚für dich soll es rote Rosen regnen‘ (Knef) aus Spaß am Text, just for fun, und hatte eine Gruppe gegen mich aufgebracht, ich soll eine aus München im Visier gehabt haben – ich habe ihre Mails gehackt – anzügliches Material freigesetzt – die Telefondrähte liefen heiß, ich bekam Anrufe aus der Schweiz, aus Kaiserlautern, aus Dortmund – es dauerte ein halbes Jahr, bis sich die Wogen glätteten – so viel.

„Seit ich mir abgewöhnt habe, das, was die anderen sagen, auf mich zu beziehen, verstehe ich sie nicht mehr.“

Das lässt sich auch so sagen: seit ich mir abzugewöhnen versuche, alles auf mich zu beziehen, komme ich besser zurecht.

die soziale Bindung durch Social Media – ein Spiel mit Knöpfen. Wortwürfelmaschinen ordnen dich nach dir unbekannten Regeln zu – wer dir wichtig ist, verschwindet plötzlich vom Schirm, wem du wichtig bist, bleibt dir verborgen, das Versprechen 1:n ist mehr ein Kampf gegen die eigene Bedeutungslosigkeit, von Maschinen über dich verhängt.

Es wird nach Ansehen der Person gewertet, nicht nach dem, was sie sagt. Daraus folgt: was wer sagt ist beliebig – es sei denn, er sie es hat Standing, Aura oder Ruf. Das ist insofern von Bedeutung, als in sich geschlossene und wenig transparente Systeme die Neigung haben, unter Ausschluss der anderen zu agieren – die Ausgeschlossenen aber selten das Bedürfnis verspüren, sich das gefallen zu lassen. Da bietet ihnen Social Media eine Bühne, die ihrer Widerborstigkeit.

Ich sprach einmal vom Immunsystem einer Gesellschaft – ein intaktes Immunsystem müsste in der Lage sein, Für und Wider auszuhalten, Wege zu finden, dass konträre Meinungsbilder sich über die Vielfalt ihrer Teilnehmer auffangen lassen. Dies erscheint inzwischen naiv und überholt, da wir nicht erst seit Donald T. eine Zunahme der Widerborstigkeit und der Radikalität oder Polarisierung erleben – die sich zudem etliche rhetorische Tricks angeeignet hat, den politischen Gegner mürbe zu machen. Das Nebeneinander wurde dem Gegeneinander geopfert. Jetzt gilt es abzuwarten, welche ökonomischen Zwänge hier wie dort dazu führen, dass Positionen verhärten oder, leise Hoffnung, aufgegeben werden. Durch die Pandemie jedoch werden derzeit viele Existenzen bedroht, so sehr bedroht, dass noch viele mehr aus dem Gemeinschaftsgefühl herausgedreht werden. Eine sich zersplitternde Gesellschaft sieht sich plötzlich konfrontiert mit inneren Erosionen. Am anderen Nervenende es kaum verwundern dürfte, wenn weitere Radikalität entsteht – der einst unerschütterliche Glaube an Systemkompetenz und an die Balance of Power hat sichtbar Blessuren davongetragen, ablesbar an Rhetorik und praktizierter Umkehrung von Fakten oder Tatsachen zugunsten von Irrung und Verwirrung – da Schlagzeilen wieder Schlagkraft entwickeln – und jeder Bums wichtiger erscheint als die Darstellung von Solidität und gemeinwirtschaftlicher Denke.

Ich habe einen Blendtextgenerator gefunden. Der macht aus allem, was Gewicht hat, Schwebebalken. Das Raumgewicht als Zimmerluft. Aus Volkswagen Klassenzimmer. Aus Eigentor Doppelkopf. Aus Wochenende Waschende. Aus Jazz Klassik. Aus Buchseite Seidenschal.

kaum eine Chance, die eigene Provinz zu verlassen – um nicht zu sagen: das Marketing über die Medien der kalifornischen Firmen beherrsche ich nicht, sie beherrschen mich, sie teilen mich zu, sie geben mir die Blasen vor, die Altersgruppen, die Interessensgruppen,

– da hilft analoges Lesen – Masse und Macht zum Beispiel von Elias Canetti – nach der Masse dazu neigt, sich selbst nicht mehr vergrößern zu können, hat sie erstmal die Kennziffer Machtmasse überschritten.

Und überhaupt – die Blickrichtung wechseln, aus den Vollen schöpfen frisch auf den Tisch zum Joseph Beuys Jahr – Versuch mal rauszufinden, was Joseph Beuys zum begünstigsten und größten Nachkriegskünstler Deutschlands machte – seine Provinzialität oder sein Universalismus? Post Post – Sie haben postmoderne Post.

Lass mich das reaktiv sehen – dann kann ich morgen progressieren. Stell dir vor, es verliefe anders herum: ich progressiere, um es am nächsten Tag zu bereuen und folgerichtig verstocke und mich zurücklehne und sage: das war‘s

Es ist Sonntag – klarer Himmel –