In Schichten mäandern

Bin mein eigener Bewährungshelfer in Sachen Aushalten und Abwarten.

Eigenartig – einerseits wird fortdauernd Neues von dir erwartet – andererseits befürchtet man, du würdest nicht mehr von hier sein – sollst also Konventionen bedienen – bis sich die Langeweile einstellt – so oder so – Zeit für eine Publikumsbeschimpfung

Gestern mit Nachbarn Treffen im Treppenhaus: die verbesserte Inzidenz sei noch nicht nachweislich zunehmender Impfung geschuldet, sondern der Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten

Social Media als Abbild von Gesellschaft, wie es alles verstärkt, was real nicht kann und will.

Radikal verkürzt die Synapsen im Kopf zur Schaltzentrale des Bewusstseins kurz vor Implosion.

In Assoziationen – ich sehe all die Leute vor mir, wie sie ihre Linien nicht mehr halten, sondern Anhaltspunkten hinterher springen querverteilt

Keine Rückschlüsse auf deine Person zulassen – sie gewinnen zu viel Macht über dich – der einzig geschützte Raum in dir wird zu ihrem Wohnzimmer, in dem sie randalieren.

habe nach einem Jahr genug gesehen – werde ständig konfrontiert, in Gespräche gezogen, die nichts bringen, soll mich für Dinge entschuldigen, die ich nicht gesagt habe, am Ende bist du marginalisiert, mimikri und ganz bei dir – das hätte man auch meditativ herbeiführen können.

Wenn Twitter keine Leute hätte, die es durchs Dorf treiben kann, wäre es ja kein Dorf sondern Twitter

Abschied tut Not, wenn du dich nicht von deiner Disqualifizierung getrennt bekommst – der Deal kann nicht nur auf deine Kosten gehen.

Selbsterklärend ist, was man sich selbst erklärt, selbstverständlich ist, was alle zu erklären versuchen, erklärt ist, was niemand mehr versteht.

Um sich wiederzufinden muss man sich erst als verloren erklären – dann findet man sich und braucht nicht so häufig ums Eck schielen, wo die anderen bleiben

Und auch. Nicht über jeden Stock springen – wenn die Messlatten über Kopf liegen schon gar nicht – dazu ist man nicht agil oder dynamisch genug. Auch sehe ich, wie sich viele umsonst strecken und auch verhaspeln und ihre Sprachzentren plötzlich Animositäten freisetzen, die besser erst einmal mit sich selbst geklärt werden müssten – allzu schnell könnte nämlich deutlich werden, dass das alles nur der eigenen Infragestellung zuarbeitet – wir leben nicht umsonst in sozialen Gefügen, durch die sich vieles von selbst versteht und korreliert. Muss ich denn, nur weil ich Ich sagen will, jeder Selbstbeschämung Vorschub leisten – nicht einfach in diesen pandemischen Zeiten, da Abstand halten Not tut und die Selbstnähe wenig soziales Korrektiv anbietet. [dass es sich rein über Text darstellen lässt – sehe ich nicht]

Gesprächsverhinderung am Engelbecken

Die Runde steht und schaut – das Schwanenpaar hat dieses Jahr acht Junge, letztes Jahr waren es sechs – davor jeweils vier – auf dem Umfriedungsgemäuer ein Fotograf mit Teleskop – pro Sekunde drei Anschläge – ein Trommelfeuer an Bildschüssen – kommt Passantin vorbei und flaumt ihn an, er würde die Schwäne in ihrer Ruhe stören – flaumt er zurück, sie verstünde nichts von Schwänen: tatsächlich wurde er mehrfach von der Schwanenmutter angefaucht.

Schließlich steht er neben mir und fragt, ob die sechs letztes Jahr durchgekommen seien.

Nein, es haben fünf überlebt, eins sei wohl Raubvögeln zum Opfer gefallen.

Ein Habicht?

Möglich, vielleicht auch eine Krähe oder der Kormoran.

Kormorane fangen Fische.

Oder Brandentenjunge.

Was ein Quatsch, sagt er.

Oh, sage ich, Sie wissen es wohl besser.

Ja, sagt er und zückt sein Handy, ich bin beim B U N D und kenne nahezu jedes Wildschwein der Stadt und hier, schauen Sie nach beim Spiegel und der BILD – alles von mir fotografiert – diese Habichte hier, diese Mader, dieser Fuchs, wie er gerade eine Ente über den Alex schleppt.

Sicher haben Sie dann auch vom Biber am Monbijoupark gehört?

Ja, der ist auch von mir.

Sicher?

Aber ja doch – ich kenne meine Pappenheimer, naja, die hier werden die nächsten neun Monate ein paradiesisches Leben führen, bei dem Futterangebot und den Freiräumen – wissen Sie, dass ein Schwanenpaar eine lebenslange Beziehung eingeht – und wenn da ein Dritter dazwischenkommt, wird er solange bekämpft, bis er tot ist.

Ich schau ihn an und versuche seine Blicke zu fangen, und da er keine Anstalten macht aufzublicken, sehe ich auf einen verknittert wirkenden und altschlauen Mund.

Hab ich, sage ich – sehen Sie diese Wasserfläche – die Startfläche ist zu klein, wenn sie im Herbst das Fliegen lernen, deswegen man sie später mit Schubkarre zum Landwehrkanal bringt.

Was ein Quatsch, sagt er, dort werden sie dann totgebissen.

Haben Sie die Bestände dort gesehen? Alles dezimiert inzwischen – letztes Jahr waren das noch mehr als zweihundert, jetzt vielleicht fünfzig.

Nun, die fliegen zum Brüten woanders hin, sagt er.

Sind Sie sicher, frage ich, ich habe gehört, da seien die Bestände dezimiert worden, quasi zum Abschuss freigegeben.

Was ein Quatsch wieder, die Leute erzählen sich ständig irgendwelche Geschichten.

Na, dann recherchieren Sie bitte – ich sehe dezimierte Bestände.

Rufen Sie doch bei Reinhard Nochwas an, sagt er.

Ich verstehe den Namen nicht – will mich schon nach seinem Namen erkundigen, er aber hat besseres vor, geht zu seinem Fahrrad und fährt grußlos davon Richtung Landwehrkanal, wahrscheinlich die Bestände prüfen.

Ein kafkaeskes Leben ohne den Text von Kafka. Im Hintergrund galaktisches Rauschen, Venuszeit, andere Zeit, Wüstenland. Der Text eine Collage aus Musiktiteln verschiedener Interpreten, mach deine Sorgen zu Träumen, ich wünsch euch einen neuen Himmel. Wer hat die Sonne geküsst oder ähnlich … fort vom Schmutz der Verlassenheit, den Nervenzusammenbrüchen und den Ritten auf Pferden durch die Leere der Angespanntheit, der Angst und der Schmerzen, eine weite Reise, schnell und kurz.

Wir sehen uns im Garten – dort wo die Bänke durchgesägt wirken, damit niemand auf ihnen schläft.

Der Tag …

… ein Missmatch – die Flexibilisierung der Arbeitswelt zieht nach sich, dass alle zwei Minuten eine Beschwerde, Klage, Unzufriedenheit eingereicht wird, oder eine Unvollständigkeit vorliegt – die Leute es sich im Home-Office bequem machen und den gleichen Komfort erwarten wie im Büro – das Versprechen auf Matrix und Struktur sich auf die individuellen Bedürfnisse ausrichtet – pro Person mindestens drei Gerätschaften – allein, was wir in den letzten Monaten alles zukaufen mussten – der Gewinn dessen schon jetzt den IT-Giganten zugeschrieben werden kann, während hier die Zerstreuung und Vereinzelung zunimmt – Controlling und Personalmanagement haben alle Hände voll zu tun – die Effizienz all dessen noch überprüft werden muss. Zwar sind die Krankschreibungen zurückgegangen, aber sichtbar jetzt schon die Verstörtheit der Einzelnen und hörbar ihr Stöhnen und Ächzen.

Social Media macht derzeit kaum Sinn – Zuviel Arbeit im RL – was eng verzahnt ist mit Netz-Life – nicht im Sinn der Social-Media-Plattformen, sondern im Sinn der Verfügbarkeit aller innerhalb der Firmenstruktur. Hinzu kommt schon jetzt, dass einige sich abgehängt und isoliert vorkommen, man hört und sieht wochenlang nichts und spricht man sie an, wirken sie den Tränen nah.

Die Wochen und Monate ziehen ins Land – im Vorteil die, die noch sprechen können, gefährdet die, die sonst auch still und stumm waren, sie müssen jeweils reintegriert werden – einige retten sich, indem sie trotzdem regelmäßig im Büro auftauchen. Dort ist es derzeit still wie lange nicht.

Krisenmanagement

Krieg ne Krise: Sitze seit 365 Tagen im Home-Office und muss mir sagen lassen, das sei Satire.

Wenn das der Maßstab für Öffentlichkeit ist, fragst du dich zwangsläufig, was du in ihr verloren hast – es wird dir alles peinigend bis peinsam – sich auf Kosten anderer präsentieren A wie verlogen das alles B wie arrogant und gleichgültig C wie abweisend und selbstherrlich D – du greifst zwangsläufig auf Thomas Bernhard zurück, im Kontext der Schauspielerei E eine Kunst- und Kulturkatastrophe : ein Lustspiel in zwei Akten.

Erst erscheinen über Nacht 53 „Ich bin Schauspieler – Schauspielerin“ – Videos von überwiegend aus dem TV bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern – du schaust dir zwei oder drei davon an und ertappst dich dabei, etwas witzig zu finden, was im Kern nicht witzig ist – und verspürst spätestens bei Folkerts oder Liefers ein Unbehagen – was, oh Wunder, auf Twitter längst einem Shit-Storm ausgesetzt ist – und Überraschung: von Weidel&Co bejubelt wird – Hoppla. Schon geht es wieder um Kunst- und Meinungsfreiheit und längst sind sich die meisten in Distanzierungsrhetorik begegnet, und du selbst schaust die noch sichtbare Heike an – und denkst – was ein Unglück – das hält sie nicht durch, siehe da, Tape ist nach wenigen Stunden verschwunden und sie entschuldigt sogar, dass sie Gefühle von Betroffenen verletzt hat – während die ganz Spitzfindigen das alles gleich auch dem rechten Narrativ zuschreiben als da wäre Coronaleugnung und Lügenpresse und das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Bums. Aua. Zu spät.

Du kannst noch erkennen, dass welche all die kritischen Aspekte eben gerade nicht dem rechten Narrativ überlassen wollen, man im Gegenteil das rechte Narrativ vielleicht sogar „zurückerobern“ sollte – ebenfalls zu spät. Die Wucht der Lawine und denkst: wer hat die Schauspielerinnen und Schauspieler beraten, da müssen doch Agenturen vor sein – nein, sie wurden nicht gefragt – da wurden direkte Deals gemacht und alles sollte doch „nur“ Satire sein – mit Augenzwinkern. Tja.

Was darf Kunst was soll Kunst – sind wir noch frei – fast schon Kalauerniveau angesichts der unverschämten Aussagen von rechts, wir lebten in einer Coronadiktatur. Mit dem Virus ließe sich nicht verhandeln und mit dem Klima demzufolge schon gar nicht – und Aus.

Die Sache mit der Meinungs- und Kunstfreiheit – sie übergeht dann wohl auch den Ernst der Lage angesichts der vielen Betroffenen unter Angehörigen, die ihre Liebsten verloren haben, angesichts der Schuftenden, die Überstunden machen statt Urlaub, angesichts der prekären Lage vieler, die ihre Existenz bedroht sehen – und allenthalben das Gespenst einer Zweiklassengesellschaft an die Wand gemalt wird – auch wenn von staatlicher Seite viele Hilfsprogramme aufgesetzt wurden. Da wirken die Rufe wider den Verlust an Meinungs- und Bewegungsfreiheit fast schon blasphemisch, erstrecht, da diese Art der Meinungs- und Kunstfreiheit sich herausnimmt, Gefühle der Betroffenen ironisch oder gar zynisch zu verletzen – das geht denn doch ein bisschen weit – einmal mehr bewahrheitet sich, dass Ironie bei ernsten Themen Gefahr läuft, respektlos zu wirken. Die Macher der Tapes wären allemal gut beraten gewesen, sich kein Fernsehbild von der Wirklichkeit zu machen.

Zudem, so vermute ich, dass da jemand nicht nur einen Witz reißen wollte, sondern sich selbst sehr witzig fand – Humor für alle – offenbar nicht voll umfänglich kommuniziert – eher fahrlässig locker Artikel NDR

Interessant auch – diese Woche sind gleich zwei (größenwahnsinnige) Projekte gegen die Wand gefahren – die Superleague im Fußball und nun diese eher dürftige Telenovela Made in Germany – fürchte aber, da kommen noch mehr dieser Schoten – was daran irritiert: es verfehlt seine Wirkung nicht – es trägt zur Ablenkung bei – nun spricht alles über diesen Mumpitz und aber weniger über den eigentlichen Dilettantismus – es überzeichnet der eine Dilettantismus den anderen – die Verursacher dieser Dauerkrise sitzen nun einmal mit ihrem Missmanagement in den Parlamenten und auf ihren Regierungssitzen, während die, die das hier alles am Laufen halten (das gesellschaftliche Leben von Lebensmittelbeschaffung über Gesundheitswesen bis hin zur Müllabfuhr, Feuerwehr, Polizei, die Bahnen, Busse, Kindertagesstätten und Schulen) glauben sollen, ihr Leben stelle eine Satire dar? Dem ist schon ein gehöriger Faktor Selbstüberschätzung und Überheblichkeit beigemischt – siehe Liefers, siehe Tukur.

Ich will diesen Fauxpas nun nicht überbewerten – man erkennt aber deutlich: es gibt Schichten (Macher, Regisseure, Projektierer) unserer Gesellschaft, die andere Schichten der Gesellschaft als ihren Spielball betrachten, mit dem sie Katz und Maus spielen können – das gehört entlarvt im Sinn von – niemand will vorgeführt werden, oder ironisiert oder persifliert – weder noch – auch nicht auf den Arm genommen werden – weder von Liefers noch von Spahn – bitte Danke – da ist Ironie eben fehl am Platz – dafür ist das Problem zu ungelöst und zu dringend.

Cum Ergo: Zwei Fauxpas diese Woche, die zeigen, wohin der Zug so rollt, erst die Superleague im Fußball, dann die Telenovela im Stil einer Satire – kläglich unabgestimmt – um anzureizen – beides ohne Not, nun stell dir vor, das plant oder kommuniziert man besser – und hätte damit noch Erfolg – wem glaubst du, nützt dann noch, was du sagst?

So neu ist das Neue nie – es würde die Leute eher verschrecken oder einschüchtern – kannst davon ausgehen, dass vieles, was plötzlich als neu auftritt, eine etwas längere Vorgeschichte hat der Aneignungen und Adaptionen.

Lese: „der schwermütige Raum wurde in der Architektur entsorgt und das beweist einmal mehr, dass Architektur ohne Raum auskommt“ die Ausgangsthese lautet: wir kleben am Boden fest und haben daher keine Vorstellung von Raum

  • lese vom Vagen, von Gleichgewichtsstörungen, von Asymmetrien und Abkehr der Moderne.

Das Verständlichmachen komplexer Sachverhalte geht immer auf Kosten der Inhalte, es sei denn, man drückt sie verständlich aus, womit sich das verständlich Ausgedrückte trotzdem vom Inhalt entfernt.

Wenn der Raum also nicht erfahrbar sein soll woher kommt nun aber das Wort – Raum ist Hülle, Fülle, Leere, expressionistisch oder still – der Autor will mir wohl mitteilen, dass der Raum pathetisch sei – und da die Moderne die Religion abgeholt hat aus dem Mystischen, betreten die Menschen einen Leerraum, einen entsakralisierten – einen, den es nicht gibt – behauptet also, Raum und Religion und Staunen gehen Hand in Hand – der Autor negiert den Stilleraum – den Ruheraum – auch den Schlafraum gleich Traumraum – will konnotieren: die Moderne als raumtötend – es wird dunkel im Buch

Relevanzverschiebung

Aufwärtsbewegung

Aus Verlegenheit und weil ich selten bequem bin – es mir alles … die Zwischentöne und Nöte – wie Boten von Noten – wie Nüscht von Garnüscht – regen sich auf, dass … Bücher nicht nach Diskursrelevanz ausgewählt werden und wenn es ums Gemeinwohl geht, um den sozialen Frieden, um soziale Ausgewogenheit und darum, dass hier die Leute nicht reihenweise vom Stuhl fallen oder durchs Rost – hört man nichts, gar nichts, niente – die Drecksarbeit müssen die anderen … piekfein hergerichtet schreiben sie dagegen von Deutungshoheit und Dirkursrelevanz – wenn es um Bücher geht – ich kann sie nicht mehr – mich schaudert es inzwischen.

Max Mustermann Fassade Berlin

Gestern wurde der Verfahrensfehler des Berliner Senats gekippt – er hatte sich vorgenommen als Landesregierung Gesetzgebungsdefizite des Bundes auf eigene Faust zu verbessern und ist damit gescheitert – da kommen die hämischen Rufe der CDU und vor allem der FDP – man könne eben nicht ins Eigentumsrecht des Einzelnen hineinregieren – dabei hat doch jetzt endlich auch der Letzte mitbekommen, dass das Bundesverfassungsgericht nicht die Inhalte der Gesetzesvorlage verhandelt hat, sondern die Bundes- vor der Landesrichtilinie –

Zur Sache : niemand stellt mehr die Brechtsche Frage wer hier der größere Verbrecher ist, der Bankräuber oder die Bank – Nachhilfeunterricht gibt dieser Film Die Stadt als Beute der Film gibt leider so gar keine Antwort auf die Frage, was der Staat nun unternehmen kann – die Landesbevölkerung vor den Haifischen im Immomarkt zu schützen – zeigt aber sehr eindringlich, auf welch einfachem Level das alles abläuft – eine Exceltabelle und ein bisschen Vertrauen der Hausbank und das Setzen auf die Schlossallee – einfacher als Monopoly – ein paar Sprüche und ein bisschen mieses Englisch Hauptsache HaHaHa – und ist ja nur ein bisschen kontaminiert und ein bisschen versifft aber mit ein paar Kröten geht das schon …

Mit ein paar Kröten wuppen wir auch die Dönerbude

Sich nun bar erstaunt zeigen – hilft wenig – die Straße rauf runter marschieren kann da auch nur ein Zeichen sein – worauf es nun auf jeden Fall ankommt. Wähler- und Wählerinnenmobilisierung zum Thema – das muss ganz scharf in die Wahlprogramme eingeschrieben werden und auch beobachtet, wie der politische Gegner, hier CDU und FDP argumentieren (die ja mit ihrem Laisser-faire erst ermöglichen, dass in diesem Land Unter- und Mittelschicht quasi enteignet werden, indem man ihnen immer höhere Mieten zumutet.) Dabei reden wir nicht vom Schutz von 4 Euro den Qm Mieten sondern vom Deckel auf dem Weg zur 15 Euro den Qm Miete – da ist also viel Spielraum – auch für Investitionen – es brauchen ja keine 30 40 50 % Renditen sein, es reichen auch 6-8 % bitte danke | das steht zur Diskussion für die Herbstwahl – Punkt

Es gibt eine Ambivalenz zwischen Innen und Außen – von innen heraus will ich etwas sagen – von außen gibt es einen Druck, es zu verschweigen. Das Außen ist in der Mehrheit – da braucht es kraftvolle Worte – das aber wären Worte, die das Innere so nicht wollte.

Beim Lesen daran gedacht, dem Buch kein weiteres Kapitel zu schenken, sondern mein eigenes Leben umzuschreiben, dort erst scheint er kontrollierbar, der Selbstbezug. Auch wurde mir bewusst, dass mit jedem Hinweis auf eine andere Figur als die, die ich war, die Möglichkeiten zunahmen, sich selbst auszuweisen, gleich auch die Wahrscheinlichkeit zunahm, dass der andere, der ich dadurch würde, ein Ausstellungsstück war seiner verpassten Möglichkeiten. Wieder eine Figur an die Wirklichkeit verloren, könnte ich behaupten, und würde die Wirklichkeit nicht mehr mit Wahrheiten verwechseln. Sehen Sie, wie einfach und banal das alles wird, wenn Sie sich selbst aus dem Weg gehen.

Paarbildungen

Wieder viel erfahren und gehört von Distinktion und Mobbing und Gesprächskultur und Seilschaften – kein Gespräch möglich mit dem Bezirksbürgermeister – deswegen trifft man sich vor Gericht.

Sie wollen Rosengärten pflanzen in der Stadt

Jazz als Requiem

Romantische Momente harter Arbeit

Lieblingsspiel der Modernen – Personenkult.

– Wenn sich alles bewegt, wird das Navigieren für viele schwierig – Orientierung ist Selbstbestimmung. Es geht darum zu wissen, was man tut und wer man ist, während man es tut. Dazu muss man nicht den Kontext aufräumen, sondern den eigenen Standpunkt nachbessern.

Die Orientierungslosigkeit als größte Schwachstelle des Betriebs

Muss man wohl umschreiben in: wo die Zuordnungen verloren gehen, ist niemand bindend prüfbar oder in der Verantwortung – deckt sich mit meinen Beobachtungen: das Wegducken und Rausnehmen und Vonsichweisen führt zur „Selbstmaterialisierung“ – das selbstbewusste Ich verschwindet und weist jede Verantwortung von sich – es macht sich selbst zum Teil von Etwas. Versteckt sich hinter Gruppen – in denen Aussagen reihum verschoben werden, das erzeugt weitere Nicht-Zuordnungen. Ein massiver Affront gegen Renaissance und der mit ihr einher proklamierten Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Die Eigenständigkeit weicht der Säulenordnung.

Paraphrasen des Verzichts

Alles bitte in Prototypen an der Garderobe abliefern – dass „Figuren keine Entwicklung durchmachen“, das „miese Bauchgefühl“, „über Geschmack lässt sich nicht streiten“, „wie machen das die Profis?“ „Problem Nummer eins.“ „Lebensverzicht.“ „Verortung.“

Gestern am Alex – Betrunkener fällt aus Straßenbahn, junger Mann springt bei, Strabafahrer springt bei, ich springe bei – wir helfen ihm auf Beine und Krücken – wuchten ihn an ein Geländer – Strabafahrer telefoniert Sanitäter herbei – wo wohnen Sie? Ich hab’ kein Zuhause –

Wir warten auf Sanitäter – Strabafahrer erzählt: was kann ich schon machen, außer beobachten, es kommt schonmal vor, dass welche einsteigen und die Straba mit ihrer Wohnung verwechseln – er habe ohnehin das Gefühl, die Straba sei für viele ihr zweites Zuhause – er könne Bücher…

… erst wenn sie sich in der Straba einrichten wie Zuhause, stoppe er die Straba – und lasse sich aber ungern beschimpfen, wenn erst Schuhe und Strümpfe ausgezogen sind – unser Mann wurde den Sanitätern überlassen, erste Frage: Was haben Sie für ein Problem? Er schaute mich an.

Das alles als Spiel betrachten und betreiben – kommt nicht mehr hin – die eigene Lebenserwartung setzt Grenzen – will auch nicht als Opapa stumm im Stuhl sitzen, will kein Teil einer Gemütlichkeitsfraktion sein, verfolge und beobachte aber, wie andere erwarten, dass ihnen ein Butler beisteht – war versucht vorzuschlagen, dass an jeder Ecke im Büro ein Butler stehe mit weißen Handschuhen und gerne sagt, nicht dafür bitte gerne – wie er am Drucker das Papier wechselt, wie er die Mülltonnen ausspült, das Geschirr sortiert oder die Laptops richtet. Damit sinnfällige Gespräche geführt werden können über die Projekte, die im Verzug sind – die nicht im Verzug wären, wenn auch auf den Baustellen die Weißbehandschuhten auftauchten.

Worauf warten wir noch ? – dass irgendjemand anklopft und den Weg zur Kirmes, zum Riesenrad, zum Konzert zeigt?

Ich sehe die Ödnis der Volksbühnenbilder vor dem inneren Auge an mir vorbeiziehen. Zwei von denen, die wir die lange Nacht der Nibelungen durchmachten, sind schon nicht mehr – fragen mich stattdessen diese notgeborenen Sätze. Worauf warten wir noch? Wir sind schon fort.

Ich habe verstanden : manche Dinge will man wirklich (nicht mehr) wissen

Wann hatte ich zuletzt dieses Knacken im Ohr nicht? Wo ich immer Headset cool rumtue – als hätte ich noch irgendwas im Griff

Der Skandal schlechthin : wir reden vom Schweigen? – nein wir reden von Fortschritt und gucken zu.

Der Skandal am Skandal : wir haben uns daran gewöhnt, fürchte aber, da staut sich was

wir lassen uns diktieren durch Maschinen?

Es macht kaum Sinn mit sich selbst zu reden – die Digitalen Medien verleiten mich aber dazu. (Bis ich mir über bin) Eine seltsame Hochzeit : ich heirate mich, um mich von mir zu trennen

Twitter ist wie früher dpa – der Ticker aus dem gefischt wird

Die Zuordnungen sind mir inzwischen egal – es herrscht Prinzip Zufall – der Theologe dagegen behauptet, es gibt keine Zufälle. Was sich da offensichtlich widerspricht wird dann zusammengeführt in Übersinnliches, weg vom Ausbruch selbstverschuldeter Unmündigkeit hin zur gesuchten Selbstzähmung

Ein Gehirn sprudelt ein anderes sagt dein Sprudel ist mir zu anstrengend – so oder so – sie sprudeln trotzdem – manchmal wünscht man sich einfach zu sein. [hab noch nie einem einfachen Menschen gegenübergesessen]

Der Fortschritt ist kaum auszuhalten – er heizt immer ein – Problem – wir haben keinen Zugriff mehr – wir sind abgehängt

Ich glaub den Auster kannst du zusammenstauchen zu dem einen Satz „nichts ist wirklicher als der Zufall“ alles andere ist Schmuck – hat er diesen Satz wirklich für sich – er ist so prägnant – er steht wahrscheinlich in der Bibel

Muss man auch erst realisieren – der Kosmos im Wandel

Der Thomas Bernhard der Peter Handke der Johnson der Philip der Cees der … all diese Ikonen … sie gehen einfach baden – ein schöner See in dem sie baden

Eigentlich haben die Leute viel mehr Text als sie bekanntgeben – wunder mich immer über das – was sie sagen – wenn es so klingt wie das, was schon gesagt wurde – wahrscheinlich aber sage ich auch nichts Besonderes

Niemand hat so viel Text wie Twitter glaube ich inzwischen auch

Twittern ist dem All etwas zurufen – manchmal antwortet es

Wenn man twittert dann doch um kreuzquer irgendwo rauszukommen

Politisch werden im Grusel des Kabinetts – was ich selbst wäre, säße ich dort – manche Erkenntnis erzeugt Bauchweh.

Der Skandal:?wir lassen zu, dass die Grundlagen menschlichen Lebens in Frage gestellt werden durch Maschinen, noch schlimmer: die Anpassung des menschlichen Geistes an die Voraussagen der Maschinen

Mann, war ich gläubig

Bin wahrscheinlich Tourist meines Lebens

Skandal: wir haben den Maschinen zu viele Rechte eingeräumt

Ich glaube – es laufen viele Illusionen durch den Raum – dass auch ich noch immer träume von etwas, was es nicht gibt .

Man wirkt so banal.

Benötige eine Pause – und weiß oder ahne es schon jetzt – der Suchtfaktor | will aber tatsächlich und endlich wieder lesen lesen lesen – Bücher lesen : diese sind am drannsten:

Ständig soll man irgendwelche Leute irgendwo abholen, und wenn man sie fragt, wo sie abzuholen sind, wissen sie es nicht selten selber nicht.

Wenn der eigene Text verunglückt – kannst du ihn selten retten – habe Text, von dem ich immer glaubte, er sei von Belang – er ist über 20 Jahre alt – und kommt mir plötzlich vor wie ein banales Gerinnsel – dort noch einmal Hand anlegen, fehlt mir Kraft. Ihn als Folie nehmen und einfach neu schreiben – gilt es zu prüfen. Bin auch weg vom romantischen sich einsam verklärenden Autor – der nur nachts zu Höhenflügen ansetzt – der nachts erzeugte Text steht morgens regelmäßig zur Disposition und kann ebenso regelmäßig weg – jenes „Nachtschreiben“ ist immer auch umzuschreiben – und „Figuren“ zuzuordnen. Ebenso wenig ertragreich – ebenso nur Bagatelle. Alles Baustelle.

Ludger Guilles war ein hagerer Mann um die Fünfzig und stemmte, eh er das Haus verließ, 15 Klimmzüge an einer Eisenstange. Im Büro grüßte er den Fahrer mit Guten Morgen, Herr Professor. Die Empfangsdame mit Guten Morgen, Frau Doktor. Sie antworteten mit Guten Morgen, der Herr.

Personenkult

Das Bedürfnis, Literatur zu personifizieren: das Personifizieren ist gutes Recht von Marketing, führt nur zu häufig dazu, dass nicht der Text an sich verhandelt wird, sondern allein sein Personal – man darf sich da nicht wundern, dass einem das Lesen vergeht.

Mensch und Maschine

2002: Der Soziologe hält Erklärungen bereit, die ihm der Algorithmus nachjustieren hilft.

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2021: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Soziologe zu interpretieren weiß.


2030: Der Algorithmus hält Erklärungen bereit, die der Algorithmus ihm vorgegeben hat.

Komme in ein Alter, da Begriffe zu Dingen werden – Gefühle wirken undurchlässig – die Versuche, sie aufzuweichen, setzen Trotzreaktionen frei. Ich setzte mich an die Spree und schaute sie den Frühling besingen

wenn Joseph Beuys vorbeikäme, sie wären verrückt vor Entzückung, kommt ihnen einer unbekannt vor, glauben sie, sie selbst wären Beuys.

Die Unlust zu folgen, wem nicht zu folgen war

Bauwut, Sturm und Drang. Ein imaginierter Verriss über ein imaginatiertes Buch – kann als Schablone verwendet werden.

Im Ergebnis entsteht ein Haus, das man wahrscheinlich, wäre es gebaut, gleich umbauen muss. Ich will ständig eingreifen. Will die Extrapositionen, die Sprachwütereien zurechtstutzen, will die sinnlichen und erotischen Passagen absichern und schützen. Allein es gelingt mir nicht, der Eigenwillige wirft mir so einige Haufen um die Ohren. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl. Beim Lesen zu glauben, eingreifen zu müssen, zu wollen. Aber so leicht ist das nicht. Abgesehen davon, dass der Text druckfertig vor mir liegt. Trotzdem: Zwischen empathischem Jubel und skeptischer Neugier liegen eigene Welten – wenn man den Text skeptisch neugierig liest, gewinnt man hinzu. Geht man begeistert hinein, gibt es auf die Augen … ich muss aufpassen, dass ich nicht gereizt werde – was ich sicher missverstehe. Ich will aber nicht immerzu zerlegt werden, in Frage gestellt, filigran gestimmt und pulverisiert. Ich will mich nicht mehr missverstehen. Die Figuren nicht mehr missverstehen. Die Kunst nicht missverstehen. Ich missverstehe sie trotzdem. Plötzlich, nach dem Lesen eigenwilliger Schönheitstheorien sehe ich: Ich war gar nicht Teil des Konzepts. Ich bin außen vor. Ich darf mich beruhigen. Der Text kämpft und ringt um sich selbst. Das kann ich hinnehmen, respektieren, oder nicht. Gut, ich respektiere. Schublade auf: Ich glaube, früher nannte man das Sturm und Drang. Schublade zu. Das ist als Antwort nicht genug.

Ich lese weiter und fahre schick Achterbahn. Rauf und runter geht es, vom Körperempfinden, der Nähe, dem Kopf, dem Geist, einem metaphysischen Haufen nach dem anderen, und das sprachlich nichtmal geschliffen, Grobkörniges wird mir um die Ohren gelöffelt, bis ich Nietzsche vor mir sehe: Es gibt keine Metaphysik, es gibt nur das, was ich aus ihr beziehe.

Das ist also mal etwas anderes. Und das ist, bei aller Irritation, für mich nicht Grund zur Verzweiflung, sondern Anspruch und Herausforderung. Eigenwillig. Abdriftend. Zurück ans Fenster mit den Bäumen davor. Manchmal fast schon zu intim, wenn sich der Text seiner Liebe hingibt. Wahrscheinlich sind das die Momente, die ihn zusammenhalten, obwohl hier niemand wirklich bei sich ist. Oder?

Viel geht es ums Missverstehen. Deswegen wird so heftig geliebt, geschrieben, gereist und sich bis zur Abgenervtheit an den Schenkeln gestreichelt, auf und ab. Dass man sich selbst hat oder sicher ist, führt in jenes Verderben, das Vater und Mutter zu bemitleiden leben als unglücklich glückliches Paar.

Dabei schaue ich zu, wer sich findet wer nicht, denn Sicherheit gibt es nicht, nicht im Text. Das muss man schon aushalten: Ein Stück An- wie Unfassbares. Auch wenn es manchmal beißt, nervt, schmerzt. Oder isoliert. Oder reisend macht. Fliehend. Zurück. Ans Fenster mit den Bäumen davor. Im Hintergrund schläft er. Der gar nicht weiß, dass die Ich-Figur über ihn schreibt.

Manche Miniaturen sind so gut, dass man sich mehr davon wünscht. Manche kopflastigen Ausflüge fühlen sich wie Ausflüchte an, sind so dermaßen komisch geschrieben, dass ich schon eine Übersetzungsmaschine im Verdacht hatte. (Auch das ist nicht ohne Reiz – sehe ich vor mir noch eine Figur, die immateriell immer da ist: Die Maschine, der Computer. Die Distanzschleuder, durch die die Bauwut hindurch jagen will (und offenbar muss). Das ist nicht immer leicht. Aber man erlebt so einige Überraschungen. Wo der Text seine Selbstbezüge aufmacht, hat er seine Stärken, was gleich auch seine Schwächen sind.

ALLEINSTELLUNGSMERKMALE

Über Nacht …

eine sich freisetzende Ahnung: die Leute – wer immer sie sind, wollen es schlau, wollen Sprachwitz – für sich, zum Innehalten, zum Auftanken. Und weniger was augenscheinlich ist – die lauten Rufe und Schreie. Sich selbst freischwimmen mit wohlwollender Begleitung war immer schon tragfähig vergleichsweise zum Abtreten – oder getreten werden.

Was ist …

… eher nichts – wäre falsch. – Wenig ist begreifbar und davon genug. Das Internet gibt mir eher Verwirrspiele statt Konkretes – ich arbeite erfreut drei Romane ab – wäge sie gegeneinander ab, will meine Unrechtsstimme zähmen und wohlwollend sein. Habe auf der eigenen Seite zwei Bücher in Arbeit – will nicht erstaunt sein, sondern die Korrekturschablone hautnah und kompressbindend anlegen – spüre, wie in vielen Sätzen Luft ist, nicht nach oben, sondern abzulassen. Ausschweifungen reduzieren. Die Blasen aufstechen. Den Sprachfluss erhöhen – Blunatek steht nun in Konkurrenz zu War das verrückt – die Feststellung: Blunatek fiktional und satirisch, War das verrückt eher vom Kopf auf die Haut – weitere Feststellung: Du musst dich immer auch selbst absentieren, dich auf Abstand bringen, oder wie gelesen: einen Schritt zurücktreten: um zu sehen, wo du stehst. Soweit richtig – kaum einzuhalten, der Alltag ruft.

Zwischen den Zeiten ist nicht zwischen den Zeilen. Gib dir nicht zu viel Mühe, dich wiederzubeleben – nimm dein Jetztleben zum Anlass, dem Ernst darum seine Drohungen zu nehmen – leichter werden ist leicht gesagt – das Übergewicht der Welt hat sein eigenes längst satt. Das brauchst du niemandem mehr mitzuteilen, ohne Sprachwitz wird es zusätzlich belastend. Ganz der Vater: dem Rausch die Pointen zurückgeben, heiter, fröhlich, unbeschwert. Das Weltgewicht verleitet zur Melancholie, zum das Bessere Wünschen, zum Abschied nehmen. Dafür ist es wie immer zu früh.

Das hippe Internet

… ist nicht so hip, wie es tut, im Gegenteil: es unterläuft Dynamik und Flexibilität des Einzelnen, indem es Klickgewohnheiten generiert und ihn auf seine Manöverfläche runterzieht – wer sich in den Medien FB Insta Twitter (oder hier WordPress) bewegt – scheint durch das Viele seiner Timeline vordergründig gut bedient – ja informiert – stößt aber an seine Grenzen: die der Aufnahmefähigkeit. Die Ressourcen der eigenen Aufnahmebereitschaft sind bald gesättigt – schon braucht es Abstand oder Distanz oder Strategie. Energien, die eigenen, die aber sind gebunden. An diese eine Interaktion: sich überall durchklicken. Das Gehirn kann gar nicht verarbeiten, was es sieht, will aber mehr. Die eigene Timeline wird durch Scrollen beschleunigt. Die Stunden gehen ins Land. Am Ende eines Tages hast du zwar Weltteilnahme betrieben, die eigenen kreativen Ansätze aber verschenkt. Das augenscheinlich Hippe hat dich dazu verleitet, das eigene Interesse, die eigene Absicht hintenan zu stellen, du bist über Stunden einem Rausch verfallen und folgtest Dingen, die dich ablenken. Wie soll sich daraus ein eigenes Profil entwickeln?

Schau dich um – gehe eine Liaison mit einem Großaccount ein – ich brauch dir keine Namen nennen, du kennst sie – und wundere dich – wie dort bisweilen mehr als tausend Likes zustande kommen – ? – sieh dir das auf amerikanischen Servern an: wenn ein Tweet nicht binnen Sekunden zündet, wird er gelöscht – ein abstruser Wettbewerb um Klickofferten, um Klickperformances. Irre das, echt irre. Es schreibt einer parallel zur Fernsehtalkshow: man soll doch mal die Expertisen der letzten Tage in Sachen Corona zusammentragen und in der nächsten Verhandlungsrunde offenlegen und ein paar Stunden drüber brüten – und handelt sich 500 Likes ein. Eine Self Fulfilling Prophecy – das nämlich sagt einer, der sagen kann, was er will – es liken seine Follower, was er sagt – egal – eigentlich egal. Dumm daran: dass ich das sehe. Dass ich meine Zeit damit verbringe. Tag ein Tag aus setze ich mein Gehirn diesem aus. Und werde bisweilen regressiv – andere werden aggressiv – ich regressiv. Es richtet sich dieses Unbehagen gegen mich. Auch ich will teilhaben, will mitmachen – so aber läuft das Spiel nicht, du musst es einsehen, früher oder später – du bist nicht bühnentauglich.

Zurück zum Plot: das sogenannt hippe Internet ist nicht so hip wie es tut. Das Hippe früherer Jahre hat sich in Publikumsgeschmack vieler verwandelt. Die Mainstreamstraße hat sich verbreitert. Das Phänomen Masse Macht ist akuter denn je. Das Hippe hat sich selbst aufgesaugt, Masse im Sinn von Schwerkraft und Gravitation hat eine Größe erreicht, die nicht mehr wachsen kann (Elias Canetti) – alles ist ihr inne – der sich beschwert, wird eingekreist und stummgeschaltet – der sich extrapoliert, wird absorbiert (durch Maulkorb) oder abgestoßen (per Zurechtweisung oder Nichtbeachtung). Nun behaupten sie, sie wären im Kontext von großer zu kleiner Masse anzusehen – mitnichten – im Scherz schrieb ich: wo ist hier die Tür zum Sozialismus – alle waren sich einig, das ist kein Witz. Sie lachten aber – sie schwiegen – die Internetwaffen Schweigen, Ignorieren, Blocken, Auslachen, sie wirken. Du stehst am Rand dieser Erscheinungen – und Herr Canettti möchte ich rufen: erklären Sie mir das noch einmal mit der Meute:

Typ 1 der Meute: die Jagdmeute
Typ 2 der Meute: die Kriegsmeute
Typ 3 der Meute: die Klagemeute
Typ 4 der Meute: die Vermehrungsmeute

Sie sehen: Canetti geht willkürlich vor. Es fehlen die Schweigemeute, die Kläffermeute, die Aufrechtenmeute, die Moralistenmeute und so weiter – der Einzelne im Bezug zu all den Meuten hat keinen Bezug. Punkt. Das Reaktionäre am Internet ist seine Schwerkraft, entgegen all der Leichtsinnigen, die es mit Fröhlichkeit zu überziehen gedenken, schwebt das Massemodell Internet wie ein schwarzes Loch über dem und saugt an ihrem Verstand und ihren Ambitionen, bis sie eins werden mit dem Mo-Loch – angestrichen mit der Farbe individualistische Freiheit – die ein Stimmungsparameter ist für Launen, Gefühle, Affekte und Rituale.

Sprach es, sah es und erschrak.

Das Hippe kam über mich und nahm mich mit. Ich ertappte mich dabei, wie ich Mythen folgte. Ich ertappte mich dabei, wie ich langsamer, schwerer und gedankenversunkener wurde. Ich ertappte mich dabei, wie ich Werte hochhalten wollte. Ich ertappte mich dabei, ein leeres Gefäß anzubieten, das Gefäß war mein Kopf – in den wurde eingefüllt, was sich bietet – ich ertappte mich dabei, wie ich weiß gleich leer sagte, schwarz gleich voll. Ich ertappte mich dabei, wie ich linke und rechte Gehirnhälften vertauschte, das Musische für mathematisch hielt und das Mathematische für musisch.

Ich räumte das Feld und gab es auf. Suchte Orientierung. Suche Oritentierung. Die Versuche sich zu verorten, oder den Weg als Ziel zu beschreiben, führten dazu, dass der Weg das Ziel war und die Verortung eine Fata Morgana.

Von Innen nach Außen. Von Außen nach Innen. Ein Endlos-Monolog.

Durch Text allein entsteht kein Impetus.

Vom früher Aufstehen wurde es nicht besser.

Spielte, siegte, verlor. Stand auf und ging. Gehen Weitergehen. Ich spiele meine Niederlagen und versuche sie als Scherz zu vermitteln, ganz der Vater. Ich betete, es möge der Herr sich wieder zur Ruhe legen, und meinte ihn wie mich.

Ohne Publikum – es läuft mir nicht davon.

Was mich Twitter gelehrt hat : Text und Autor werden nicht voneinander getrennt. Das ist für den Fortschritt von Text insofern von Belang, als das Kritische um die Person jeden unkritischen Inhalt verstellt.

Kombinatorik

„Ich kann dir nicht helfen, wenn du nur den siehst, den du erwartest.“

a) du klein geschrieben : ich kann mir nicht helfen, da ich nur sehe, was mich betrifft

b) Ich kann niemandem helfen, der nur sich selbst sieht

c) Ich kann mir nicht helfen, da ich die sehe, die hinter anderem her sind

d) siehst du, wie deine Wahrnehmung alles im Sinn deiner Erwartung interpretiert?

Diesen Satz kann man appellativ sehen und missverstehen, so, als spräche jemand jemanden an und will jemanden zurechtweisen. Vielleicht will er sich auch nur selbst zurückvergewissern

Das schreibt Gregor Blum in sein Sprechstück in Dur für Saxophon und Computer – tatsächlich ist Gregor Blum ein obsessiv drängender und übergriffiger Charakter – sein Saxophon erzeugt Schaudern – eine Romanfigur.

ich stecke in einem Dilemma: alles auf mich zu beziehen – da ist dieses heldenhaft mystisch beseelte Spiel zwischen mir und Glasscheibe – und bedenke, wie viele Mails du missverstanden oder fehlinterpretiert hast.

Ein Spiel wie aus 2001/02 : ich rief im Forum etwas von Rotkäppchen und ‚für dich soll es rote Rosen regnen‘ (Knef) aus Spaß am Text, just for fun, und hatte eine Gruppe gegen mich aufgebracht, ich soll eine aus München im Visier gehabt haben – ich habe ihre Mails gehackt – anzügliches Material freigesetzt – die Telefondrähte liefen heiß, ich bekam Anrufe aus der Schweiz, aus Kaiserlautern, aus Dortmund – es dauerte ein halbes Jahr, bis sich die Wogen glätteten – so viel.

„Seit ich mir abgewöhnt habe, das, was die anderen sagen, auf mich zu beziehen, verstehe ich sie nicht mehr.“

Das lässt sich auch so sagen: seit ich mir abzugewöhnen versuche, alles auf mich zu beziehen, komme ich besser zurecht.

die soziale Bindung durch Social Media – ein Spiel mit Knöpfen. Wortwürfelmaschinen ordnen dich nach dir unbekannten Regeln zu – wer dir wichtig ist, verschwindet plötzlich vom Schirm, wem du wichtig bist, bleibt dir verborgen, das Versprechen 1:n ist mehr ein Kampf gegen die eigene Bedeutungslosigkeit, von Maschinen über dich verhängt.

Es wird nach Ansehen der Person gewertet, nicht nach dem, was sie sagt. Daraus folgt: was wer sagt ist beliebig – es sei denn, er sie es hat Standing, Aura oder Ruf. Das ist insofern von Bedeutung, als in sich geschlossene und wenig transparente Systeme die Neigung haben, unter Ausschluss der anderen zu agieren – die Ausgeschlossenen aber selten das Bedürfnis verspüren, sich das gefallen zu lassen. Da bietet ihnen Social Media eine Bühne, die ihrer Widerborstigkeit.

Ich sprach einmal vom Immunsystem einer Gesellschaft – ein intaktes Immunsystem müsste in der Lage sein, Für und Wider auszuhalten, Wege zu finden, dass konträre Meinungsbilder sich über die Vielfalt ihrer Teilnehmer auffangen lassen. Dies erscheint inzwischen naiv und überholt, da wir nicht erst seit Donald T. eine Zunahme der Widerborstigkeit und der Radikalität oder Polarisierung erleben – die sich zudem etliche rhetorische Tricks angeeignet hat, den politischen Gegner mürbe zu machen. Das Nebeneinander wurde dem Gegeneinander geopfert. Jetzt gilt es abzuwarten, welche ökonomischen Zwänge hier wie dort dazu führen, dass Positionen verhärten oder, leise Hoffnung, aufgegeben werden. Durch die Pandemie jedoch werden derzeit viele Existenzen bedroht, so sehr bedroht, dass noch viele mehr aus dem Gemeinschaftsgefühl herausgedreht werden. Eine sich zersplitternde Gesellschaft sieht sich plötzlich konfrontiert mit inneren Erosionen. Am anderen Nervenende es kaum verwundern dürfte, wenn weitere Radikalität entsteht – der einst unerschütterliche Glaube an Systemkompetenz und an die Balance of Power hat sichtbar Blessuren davongetragen, ablesbar an Rhetorik und praktizierter Umkehrung von Fakten oder Tatsachen zugunsten von Irrung und Verwirrung – da Schlagzeilen wieder Schlagkraft entwickeln – und jeder Bums wichtiger erscheint als die Darstellung von Solidität und gemeinwirtschaftlicher Denke.

kaum eine Chance, die eigene Provinz zu verlassen – um nicht zu sagen: das Marketing über die Medien der kalifornischen Firmen beherrsche ich nicht, sie beherrschen mich, sie teilen mich zu, sie geben mir die Blasen vor, die Altersgruppen, die Interessensgruppen,

– da hilft analoges Lesen – Masse und Macht zum Beispiel von Elias Canetti – nach der Masse dazu neigt, sich selbst nicht mehr vergrößern zu können, hat sie erstmal die Kennziffer Machtmasse überschritten.

Und überhaupt – die Blickrichtung wechseln, aus den Vollen schöpfen frisch auf den Tisch zum Joseph Beuys Jahr – Versuch mal rauszufinden, was Joseph Beuys zum begünstigsten und größten Nachkriegskünstler Deutschlands machte – seine Provinzialität oder sein Universalismus? Post Post – Sie haben postmoderne Post.

Die Engführung der Ästhetisierung durch Perfektionierung – und mit ihr der Verlust ihrer Authentizität – du lebst fast zwangsläufig im perfekten Bild der eigenen Verspiegelung. Dem zu entgehen – hieße Ausstieg – der dich unumkehrbar verabschiedet aus dem Dunstkreis des Selbstwahns? Ich vermute schon, es ist leichter als ich zu denken erlaube. Die Räume sind schon jetzt immer gleich – unterschiedlich besehen: als voll oder leer. Als verstellt, dicht und chaotisch. Oder als gleichbleibend routiniert und bewegt. Dazwischen oder in ihnen die eigenen Räume entdecken, sehen, gestalten. Und sich verabschieden von dem Gedanken, dass all das in Zusammenhang steht – es steht in keinerlei Zusammenhang – außer dem eigenen.

Aus der gefüllten Welt: müsste sie umkehren. Die Hohlspiegel an sie halten. Die Unterseiten prüfen. Die Liebesseiten durchblättern. Die Fixierungen lassen.

Glenn Gould

Ich arbeite an den Hypnosezuständen, die ich kaum anzurühren wagte und sie zu einem Katalog verhöhnender Realitäten umschrieb unserer Küsse, der Umarmungen, der Tänze. Heute der Schnee. Im Hintergrund das rhythmische Stakkato