Okay Boomer!

Eine Erwider-Glosse!

geschrieben im Sommer irgendwann, und da ich dieses Jahr so publikumsunwirksam war, zum Abschluss dieses Jahrzehnts eine Art Widerkäuer aus meiner Widerspenstigkeitsschublade, die so gar nicht mehr in die Zeit will … Take it Smile.

Generation Y weiß was los ist:

https://www.zeit.de/2019/07/generation-babyboomer-klimawandel-generationenvertrag-rente-generationenwechsel

Babyboomer antwortet:

Stichworte gibt es genug: Trump wehrt sich gegen Vorwürfe, er arbeite zu wenig, Berliner Neubau kommt ins Stocken. Sehe das fröhliche Schaulaufen in langen Berlinale Nächten, dort auch ein Türsteherfilm präsentiert wird und ich weiß, ich bin nirgends dabei (darf nirgends mehr rein), sehe, ich soll abschieben, das Deportationsschiff stehe bereit, ich bin Jahrgang 1964, Babyboomer und für die ganze Misere verantwortlich.

Die Misere ließe sich verschlagworten: Der Generationenvertrag funktioniere nicht, die Generation Y ist in Wirklichkeit Generation Praktikum, ich sei nun verantwortlich zu machen und soll gehen. Raymond_Federman grüßt aus dem Jenseits; hier insbesondere zu empfehlen Die Nacht zum 21. Jahrhundert oder aus dem Leben eines alten Mannes : Roman, Nördlingen : Greno, 1988, Neuausgabe: Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1991.

der alte Mann und das Meer, Käpt’n Ahab auf Walfang.

Während sie (Fleißige der Generation Y und mit ihnen die Autorin des Artikels bei der Zeit) müde vom langen Arbeitstag tellerweise Spaghetti mit Tomatensoße verschlingen und einen billigen Rotwein nach dem anderen öffnen, sehe ich auf der Liste meiner Hausärztin erhöhte Cholesterinwerte und gestiegenes Herzinfarktrisiko und soll unbedingt Diät machen, obwohl die erhöhten Cholesterinwerte genetischen Ursprungs sind, Bewegung tut Not, aber bei dem Pieselwetter dort draußen mag ich nicht joggen.

Solltest du aber. Dreimal wöchentlich mindestens, sagte die Hausärzten, ebenfalls Generation Babyboomer. (Wir unter uns, wie immer!) Der Höhepunkt der Babyboomerei war 1964, genau mein Jahrgang. Und ich bin schuld an der Misere, soll mich vom Acker machen, das Deportations(Raum-)schiff wartet.

In der Spree habe ich keins gesichtet (nur Ausflugsschiffe mit vielen meiner Elterngeneration – Babyboomer kaum, die sitzen in den Büros). Wahrscheinlich liegt das Schiff, das mich abschiebt, bei Rostock. Dort wartet allerdings von den 1.357.304 Geborenen der Babyboomer wahrscheinlich dann nur ich, weil wieder nur ich es wörtlich nehme, und weniger ironisch: Schieb(t) ab!

Wir hätten den Generationenvertrag gekündigt, weil wir zu wenige Kinder zum Ausgleich unserer Überzahl in die Welt gesetzt hätten, und die, die wir in die Welt gesetzt haben, ertragen uns nicht mehr.

Weniger Pop, mehr Kinder!

Wir hätten mehr zeugen und weniger poppen sollen, damit sich die Generation Y erstrecht gegenseitig auf den Füßen steht.

(So wie wir es erlebten in überfüllten Klassenzimmern, im Gleichmarsch des Wehrdienstes oder wie ich im Hippietouch des Zivildienstleistenden mit der Folge, dass wir spät erst auf der Uni auftauchten und dort auch noch, der Regelfall, zwei oder drei Semester zu lang verbrauchten, weil wir nebenbei unser Studium finanzierten mussten, und als wir endlich im zeugungsfähigen Alter von über dreißig, i.d.R. fünfundreißig waren, dachten wir vor allem erstmal ans Geldverdienen und selbständig werden, ja, ans erwachsen werden, und als wir endlich erwachsen waren, hatten wir uns einen Hunderttausendeuro Schein aufs Festgeldkonto erspart und vergessen Kinder zu zeugen, das machten die anderen, die, deren Kinder heute sagen, wir seien Partygänger gewesen, Hedonisten und selbstverliebt und nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen für die Zukunft der Kinder, die wir nicht gezeugt hatten. (Wir werden gern verwechselt mit der Generation X, und auch mit den sogenannten 68igern.)

Kann mich sehr wohl erinnern an eine Veranstaltung im Wehrersatzdienst, da predigte uns ein Graumelierter, wir, Teil der Ersten Welt, wären die größten Umweltschädlinge dieser Welt, und jedes weitere Kind würde die Umweltbelastung erhöhen, besser sei es, KEINE Kinder in die Welt zu setzen in dieser ersten Welt, sondern uns zurückzuhalten und … abgesehen davon, dass von den mehr als 700.000 weiblichen Babyboomern auch kaum Signale verströmt wurden, mach mir ein Kind.

Im Gegenteil forderte diese zweite Hälfte unserer Generation Gleichberechtigung und Chancengleichheit und gleichwertige Berufschancen und gleiche Bezahlung.

Kann man uns jetzt zum Vorwurf machen, dass wir unsere zweite Hälfte der Generation nicht ans Ruder gelassen haben? Ich persönlich kann mir diesen Schuh nicht anziehen, da ich in einem technischen Bereich aktiv war und bin, für den sich die andere Hälfte unserer Generation noch immer kaum interessiert. Ich schraubte an Mimosoft, Linux und Applewirtschaften herum, die andere Hälfte unserer Generation freute sich, als sie endlich Internetzugang hatte, ohne immer den männlichen Teil unserer Generation anfragen zu müssen.

Die Schuhe passen wieder nicht.

Nein, ich kann mir den Schuh, Frauen nicht an den Start gelassen zu haben, nicht anziehen. Ich kann mir auch den Schuh, keine Kinder gezeugt zu haben, nicht anziehen, denn die eine hatte eine Spirale, die nächste nahm die Antibabypille, wieder eine andere führte Strichlisten, und die, die schließlich schwanger wurde, ließ es abtreiben und entschied sich für ein anderes Leben.

Die, die ich liebte, und mit der ich es mir vorstellen konnte, liebte einen anderen und die, die ich nicht schwängern konnte, weil sie nicht schwängerbar war, ließ sich die Eierstöcke entfernen und konvertierte zum Buddhismus.

Ich hatte spät erst die Möglichkeit, eine Frau fürs Leben zu finden, die aber hatte auch schon zwei Versuche, Kinder zu kriegen, abbrechen müssen, unwillentlich.

Den Schuh, keine Kinder in die Welt gesetzt zu haben, kann ich mir so gesehen nicht anziehen, zum Glück für mich habe ich zwei Schwestern, die insgesamt elf Kinder in die Welt gesetzt haben, ELF!

Und keine dieser Kinder, die ja nun (fast) alle Generation Y sind, würde mich in die Verantwortung nehmen wollen, dass ich nicht noch für mehr Konkurrenz gesorgt habe, sondern fragen mich immer etwas mitleidig, ob ich denn glücklich sei ohne Kinder. Ja, nein, antworte ich, einerseits, andererseits, sage ich. Es ändert nichts. Aber nun muss ich sehen, dass man für mich das Deportationsschiff vorgesehen hat. Schiebt ab!, ruft die Journalistin da aus ihrem Weitwinkel, wahrscheinlich bei Igramm gefiltert.

Ich sehe, sie hat einen schwierigen Job. Macht statt IT auf Journalismus und lässt sich sicherlich bevormunden von Graumelierten meiner Generation, aber wahrscheinlich auch unter Druck setzen von Ihresgleichen, das aber ist Spekulation.

Die Journalistin, die das schreibt, ist Generation Y. Davor gab es die Generation X, das waren die Hedonisten und Drogenabhängigen und Psychodurchgeknallten, das wahre Nachtleben fand in den Neunzigern statt, heute wird wieder in die Hände gespuckt, nur dass es sich nicht lohnt, denn die Babyboomer blockieren die Plätze.

Die schönen Grauhaarigen

Haben graumeliertes Silberhaar, sind schöne, gepflegte Menschen und zwingen der Nachfolgegeneration ihre Work-Life-Balances, ihre gewaltfreie Sprache und ihre sonstigen Unterdrückungsmechanismen auf, während es weltweit so aussieht, als würden alternde Patriarchen und Stammesväter ihre letzte Ölung genießen.

Allenthalben lugt Autoritäres und Autokratisches ums Eck, und sicher ist auch daran unsere Generation schuld. Zumindest beteiligt.

Unsere Generation hat diese Monstren Big Five aus den USA erst groß und möglich gemacht. Die Big Five, die uns hier alles durchleuchten und jeden und alles entmündigen und enteignen, und zwisten und Streit sähen, die steigenden Mieten, die explodierenden Energiekosten, das Sterben der Innenstädte, das Aussterben der Infrastrukturen, die Verrohung der Sitten, die neurechten Ideologien, die Verfrachtung unserer eigenen Kinder in die Callcenter der Big Five und ihre Ableger.

Die Finanzkrise, die einstürzenden Twintowers, die Radikalisierung, das Auferstehen der Religionsfanatiker, die blinde Gefolgschaft hinter sozialdarwinistisch besser aufgestellten Autokraten – haben alles wir verzapft?! Mit unserem Drang, schöne grauhaarige Menschen zu sein. Nichtmal die DDR haben wir verschont. Und nun sitzen in allen Ecken die Wutbürger, und fangen zu motzen an und rufen nach Nationalstaatlichkeit und Überschaubarkeit und Provinzialismus, das sind natürlich auch wir. (die falschen Mehrheiten?!)

Die Generation Babyboomer das wahrscheinlich provinziellste Völkchen, das jemals die Welt erblickte. Obwohl ich mir habe sagen lassen, dass es das Babyboomerphänomen nur in der westlichen Welt gab, während es heute vor allem in den sogenannten BRIC Staaten um sich greife, oder in Afrika. Nun gut, das sind wahrscheinlich begrifflich betrachtet Erbsen mit Kartoffeln verglichen. Die Journalistin meinte schon uns, da kann ich nicht ausweichen.

Ich soll deportiert werden, die anderen kommen später.

Das zur Ausgangsposition, das zur Selbstläuterung. Ich habe mir ja die Mühe gemacht, den ganzen Artikel zu lesen, und auch die Contra-Position, muss aber feststellen. Ich bin zwar gemeint, aber ich war nicht dabei.

Ich habe nämlich gesehen, dass die Generation Y sich das vornimmt, was wir uns notgedrungen auch vornehmen mussten: Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, Idee und Wille. (Alle Dacore) Sollten wirklich alle Menschen Journalist*Innen werden wollen, wäre allerdings bald Schluss mit lustig, aber warum, bitte, werden sie nicht Jurist*Innen, Informatiker*Innen, Mechaniker*Innen, Maschinenbauer*Innen, warum wollen so viele Psychologin, Geisteswissenschaftlerin, Schriftstellerin oder Leserin werden, und wahrscheinlich weniger Programmiererin … nun, der Herr im Himmel hat sich weggedreht.

Diesen Kampf führten wir damals auch. Wer Geisteswissenschaft studiert, dem droht die Sozialfalle, heute nennt sich das Wohlstandsverhängnis, unser Versäumnis? Wenn ich meine Kinder, die ich nicht habe, dazu erziehen könnte, was Vernünftiges zu machen … bräuchte ich nicht so eine Angst haben um mein Pausenbrot und meine Ausbildung … sondern würde beharrlich und ausdauernd mein Ding verfolgen?

Da bin ich eben auch ratlos. Und das ist tatsächlich, was man unserer Generation, den Babyboomern zum Vorwurf machen könnte: Nicht ihre grauen Haare und nicht, das sie schöne Menschen werden wollten, sondern ihre Ratlosigkeit, ihre Angst vor der Zukunft. Wie im übrigen auch im Schreiben der Journalistin zu erkennen: in jedem zweiten Satz winkt das Substantiv Ratlosigkeit. Gerade und wegen der immensen Herausforderungen. Und eh sie eine Kooperative oder ein gemeinsames Handeln erwartet oder impliziert, wird schön am Deportationsschiff gebaut.

Nun schiebt endlich ab!

Sie werden wohl auch nicht daran gedacht haben als Sie lasen: Schiebt ab! Dieses Schiebt ab ist wohl eher umgangssprachlich gemeint, von wegen, macht mal Platz hier, ja, aber Frau Journalistin. Wohin sollen wir? Wir waren schon immer zu viele, und immer hat man uns gesagt, ihr seid zuviele. Wir aber haben uns für ein Solidarisierungsprinzip entschieden, nicht für ein kapitalistisches, das kommt aus den USA, das waren wir nicht, das waren die anderen, die Börsianer und die … jaja, wer hat damals vor den Amis gewarnt? Nun haben wir den Salat. Big Five, und lauter rastlos ratlose Schafe. Statt auszurufen, tut was dagegen, packt es an, gründet eine eigene Firma: sollen erstmal 1.3 Millionen Menschen abschieben! Nicht abgeschoben werden, sondern freiwillig gehen.

Vielen Dank aber auch – für nichts.

Bin ich froh, dass ich kein Kind zur Welt gebracht habe, stell dir vor, es würde dir jeden Tag zum Vorwurf machen, dass du es in die Welt gesetzt hast.

ERGÄNZUNGEN:

Mal erzählen, wie du als über Vierzigjähriger, hier als Babyboomer an einem Einstellungsgespräch teilnimmst, das von einem glatzköpfig intellektuell wirkenden Brillenträger der Generation X geführt wird … und du nach wirklich tollem und erfrischendem Gespräch nie wieder was von ihm hörst …

Mal erzählen wie sich zwei der Generation Y um Praktikantenplätze streiten, sie jeweils bereit sind, für weniger als 500 monatlich zu arbeiten, genommen wird dann aber der Praktikant der Generation X, der sogar 800 monatlich bekommt.

Mal erzählen von den ganzen Generation Y Kandidaten, wie sie von einem Babyboomer erwarten, dass er ihnen Festplatten, Lüfter, Lampen, Telefone und Tische, ja eigentlich alles, was sie selbst so verranzen und vermüllen, sauber hält. (Den Babyboomer mit einem Hausmeister oder der Reinigungskraft verwechseln, obwohl er ausgebildeter IT-ler ist mit der Höflichkeitsattitüde, immer helfen zu wollen. Das haben wir ja als Helfersyndrom untergejubelt bekommen und immer noch nicht abgestellt.)

Mal erzählen von der Teppichnummer: Da alles raus muss, Tische, Lampen, Stühle, Rechner, alles! Und der Babyboomer bis spät in der Nacht noch am Rumräumen ist, vor allem auch die Arbeitsplätze der Generation Y, die offenbar dachten, der Babyboomer muss in seinen jungen Jahren viel Zeit im Fitnessstudio verbracht haben, dahin zieht es den der Generation Y jetzt auch, während der Babyboomer erschöpft nach Hause wankt und daheim erstmal viele Spaghetti und wahllos Rotwein in sich hineinfüllt, damit er morgen garantiert nicht mehr aufsteht und anschließend, wie es Gewohnheit ist des Babyboomers, eine Woche krank feiert. Was nur nicht viel bringt, denn der Babyboomer hat sich ja aus der sozialen Verantwortung herausgestohlen, indem er schon seit Jahren Freiberufler ist, damit er erstens weniger Sozialbeiträge zahlt, zweitens kaum soziale Kontakte pflegt, und drittens sowieso nur daran denkt, wie er bald ein Leben führt auf den Malediven oder sonstwo auf Kosten der Generation Y.

Mal erzählen davon, dass während eines Vorstellungsgesprächs der Mann der Generation Y sein Apple-Book mitbrachte, aber offenbar vergessen hatte, daheim den Kanal für die pornografischen Inhalte aus seiner Timeline zu entfernen, sodass die Frau Personalchefin, klar doch Babyboomerin, nicht anders konnte, als ihm einen schönen Tag zu wünschen.

Mal erzählen vom Schlangestehen zur Mittagspause, da auch der Babyboomer Hunger hat, aber ein Jungspund der Generation Y weniger Zeit mitgebracht hat, und einfach so tut, als sei der Babyboomer durchsichtig.

Es gäbe noch so einiges zu erzählen, auch wie der Babyboomer damals noch betrachtet wurde von den 68igern, aber das wird ja inzwischen alles in einen Topf gerührt … der Babyboomer ist wahrscheinlich nur ausversehen gezeugt worden, weil alle das machten damals, im Autokino.

Natürlich hat der Babyboomer den Artikel der Frau aus der Generation Y richtig verstanden: er soll Platz machen. Verraten sei auch: Der Herr Babyboomer hat schon so viel Platz gemacht vor den Leuten der Generation X, da sollte Generation Y mal lieber drauf achten, dass Generation X sich hier nicht alles unter den Nagel reißt, zum Beispiel das Abdrehen schlechter Spielfilme, in denen immer nur Nazis drin vorkommen, aber das wäre natürlich ein anderes Drehbuch.

Es müssen ja immer erst die Babyboomer verkloppt werden, immer schon, es waren einfach zu viele. Wo sind aber die Verantwortlichen für dieses ungeschützte und kondomfreie Verhalten derjenigen, die offenbar unter Bombenhagel und Nahrungsmittelverknappung und andere Spezialitäten litten, so sehr, dass es die ihnen folgende Generation mal besser haben sollte.

Und zwar so viel besser, dass sie von heute aus betrachtet von sich als Friedensgeneration sprechen kann, sieht man mal vom täglichen Kleinkrieg ab, oder vom größeren um den Irak und Afghanistan und Syrien … (aber das waren ja immer die Amis, hat der Babyboomer immer gesagt, hat nur niemand hingehört) Auch das hat der Babyboomer einfach nicht im Griff: er dreht und wendet die Themen immer so, dass am Ende ein großer Brei rauskommt, Ergebnis und Beweis seiner spätpubertären Neigung, es immer noch allen rechtmachen zu wollen, vor allem sich selbst.

Resumee.

Die Frau Autorin hat offenbar ein heißes Eisen angefasst, denn es haben sich viele Leute dazu geäußert. Aber eins hat die Autorin vergessen zu erwähnen. Die Graumelierten, von denen sie da spricht, die so viel Macht haben, und alles blockieren, angeblich, sind in der Minderheit. Das sind die, die sich gegen ihre Rivalen durchgesetzt haben, die, die mehr Glück hatten, und die, die mehr erben konnten, aber die Masse, sprich die Menge der Babyboomer, teilen mehr oder weniger das Schicksal mit der Generation Y insofern, als auch sie nicht an den großen Fleischtöpfen sitzen, sondern an den ihnen zugeteilten.

Und die Proportionen dieser verteilten Portionen sind nicht gerade üppig. Ein Haus in Berlin kostet inzwischen 6.000 Euro/qm, wie soll nun der Babyboomer mit seinen ersparten 100.000 da mithalten? Ach so, 30qm reichen auch?! Weil Generation Y muss sich ja auch die hundert Qm mit vier Mithungrigen teilen. (Glaubt denn Miss Generation Y, wir hätten in einer Vorstadtvilla studiert? Was glaubt Frau Generation Y, wie schnell es geht, von monatlich 3500 Mark auf monatlich 3500 Euro zu kommen? Ein Jahr, zwei? Unter direktiven Maßgaben schafft das so manch einer über Nacht!)

Nach dem, wie ich den Artikel verstehe, habe ich da eine Lesart übersehen. Die Generation Y selbst will den Generationenvertrag quasi scheibchenweise abkündigen,  und tut schnell mal so, als hätte die Generation Babyboomer vergessen, Verantwortungsmilch zu trinken.  Jetzt schon hat Generation Y Angst, die ganzen Methusalems der Babyboomer nicht mehr durchfüttern zu können.

Stell dir vor, die rebellieren irgendwann. Zahnlos geworden zwar, aber durchaus mit Wut im Bauch, weil hungrig. Da ist das heute gesättigte Land noch weit von entfernt, meine: die Leute nicht sattzukriegen. Heißt ja jetzt schon überall: Sorge selbst vor, der Staat macht eh pleite … wahrscheinlich bald. Die Frau Generation Y hat noch nicht zur Kenntnis genommen, dass wir unseren Eltern unser Leben zu verdanken haben und dass wir bereit sind, einen Großteil unseres Verdienstes für ihre Generation aufzubringen, und verschweigt aber auch, wie viele dieser Babyboomer aus eigenen Stücken, ihre eigenen Kinder (das erkenne ich an meinen Schwestern und Freunden, die ihrem Kinderwunsch nachkamen!) außerdem noch unterstützen. Das nämlich hat die Frau der Generation Y noch nicht gesehen: Dass die Generation Babyboomer zu großen Teilen sehr vieles von dem, was sie erreicht hat, mit ziemlich viel Eigeninitiative und sehr hohem Kraftaufwand und viel Geduld, viel Lernen und Umlernen, erreicht hat. Und leider droht die Kulisse hierfür nun von ausgerechnet den Konservativen (Republikanern in den USA) und Zaristen der ehemaligen UDSSR und anderen Brexitiers und selbstsüchtigen Gestalten zerstört zu werden, das aber, liebe Generation Y ist nicht das Verbrechen und Versehen der Generation Babyboomer, sondern die durch alle Schichten dieser Zeit raunende Ratlosigkeit gegen eine Übermacht an Ideologie und Verantwortungslosigkeit – die vor allem von Seiten der Damen und Herren Nachkriegsgeneration getragen wird. Oder ist Donald Trump auch Babyboomer? Nein, er ist geboren 1946 – also Elterngeneration der Babyboomer. Bitte. Danke. Ja. Beim nächsten Mal bitte mal die eigenen Eltern fragen, wo die nächste Eisdiele ist. Vielleicht gibt es diesmal zwei statt eine Kugel?

Mit anderen Worten. So gut ging es uns noch nie. Alle miteinander. Wenn ich das Gelbwestenspektakel sehe, das Nehmt uns mal ernst Geplärr aus Dresden, das wir brauchen Manifeste Grenzen Gezänk aus Italien, das sind vor allem reichwarme und selbstgerechtgefällige Warmduschergeschichten, da kommen mal zwei Tropfen kälteres Wasser aus dem Hahn und schon bricht alles zusammen?

Großes Vertrauen in diese Leute kann ich nicht hegen. Heißt. Appell an mich aus  der Babyboomer Generation: Ja, weiter so! Helfen, wo Not ist, der Lohnzettel streicht einem regelmäßig fast 50% des Gehalts … ansonsten … richtig. Sieh zu, dass du wegkommst. Auf diese von uns gezeugte Generation kann man sich nicht verlassen, die finden unsere grauen Haare seien was wie Sperrholz. Welches Schiff besteige ich nun? Hab noch zehn Jahre bis zur Rente. Dann will man mich nicht mehr. Aber wahrscheinlich hat die von uns gezeugte Generation ja dann den Machtschalter endlich gefunden und weiß wie man es besser macht. Soziale Gerechtigkeit für alle, oder soziales Gewissen für die, die man kennt?

Ich könnte, wollte, müsste … noch stundenlang weiter … Holz sammeln.

Achtung: das ist nur eine Glosse mit hin und wieder nagelnden Brettern *grrr*

Wünsche allen, auch den Okay Boomern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr . In 2020 wird alles besser. Denn der Untergang der Welt droht ja erst 2023 – Bis dahin lasst uns tanzen, leben, glücklich sein!

Und das Kinder zeugen den anderen überlassen – wir sind dafür wirklich schon zu alt.