Lass mich das reaktiv sehen – dann kann ich morgen progressieren. Stell dir vor, es verliefe anders herum: ich progressiere, um es am nächsten Tag zu bereuen und folgerichtig verstocke und mich zurücklehne und sage: das war‘s

Die Formulierung „lass mich das reaktiv sehen“ ist nicht ungefährlich – wie viele daraus wohl wieder machen: „siehst du, ich hab‘s gewusst – er ist reaktiv.“ Dass dem eine hypothetisches Theorem zugrunde liegt, wird gleich ausgeblendet. Überhaupt ich feststellen muss: statt sich an die eigene reaktionäre Nase zu fassen – immer erst von innen nach außen Stigmata verteilen. Wie umständlich das wird: jedem musst du erst einmal erklären, aus welcher Disposition heraus du agierst – das, meine Damen und Herren, verunmöglicht jedes freie Denken, verunmöglicht vor allem auch schnelles und freies Denken – da du jeden erst dort abholen sollst, wo er vermeintlich steht: in seiner Kleingeistfalle – die Intelligenz scheint ungleich verteilt – obwohl wir auf die gleichen Bibliotheken weltweit zurückgreifen. Frage mich auch, wie wir hier jemals humanistischen Fortschritt erzielen wollen.

Es ist Sonntag – klarer Himmel –

Veröffentlicht von Clemens Verhooven

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