Kombinatorik

„Ich kann dir nicht helfen, wenn du nur den siehst, den du erwartest.“

a) du klein geschrieben : ich kann mir nicht helfen, da ich nur sehe, was mich betrifft

b) Ich kann niemandem helfen, der nur sich selbst sieht

c) Ich kann mir nicht helfen, da ich die sehe, die hinter anderem her sind

d) siehst du, wie deine Wahrnehmung alles im Sinn deiner Erwartung interpretiert?

Diesen Satz kann man appellativ sehen und missverstehen, so, als spräche jemand jemanden an und will jemanden zurechtweisen. Vielleicht will er sich auch nur selbst zurückvergewissern

Das schreibt Gregor Blum in sein Sprechstück in Dur für Saxophon und Computer – tatsächlich ist Gregor Blum ein obsessiv drängender und übergriffiger Charakter – sein Saxophon erzeugt Schaudern – eine Romanfigur.

ich stecke in einem Dilemma: alles auf mich zu beziehen – da ist dieses heldenhaft mystisch beseelte Spiel zwischen mir und Glasscheibe – und bedenke, wie viele Mails du missverstanden oder fehlinterpretiert hast.

Ein Spiel wie aus 2001/02 : ich rief im Forum etwas von Rotkäppchen und ‚für dich soll es rote Rosen regnen‘ (Knef) aus Spaß am Text, just for fun, und hatte eine Gruppe gegen mich aufgebracht, ich soll eine aus München im Visier gehabt haben – ich habe ihre Mails gehackt – anzügliches Material freigesetzt – die Telefondrähte liefen heiß, ich bekam Anrufe aus der Schweiz, aus Kaiserlautern, aus Dortmund – es dauerte ein halbes Jahr, bis sich die Wogen glätteten – so viel.

„Seit ich mir abgewöhnt habe, das, was die anderen sagen, auf mich zu beziehen, verstehe ich sie nicht mehr.“

Das lässt sich auch so sagen: seit ich mir abzugewöhnen versuche, alles auf mich zu beziehen, komme ich besser zurecht.

Veröffentlicht von Clemens Verhooven

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