Paradox

Suhrkamp Hanno Rauterberg

Die Erwartungshaltungen immer aufs Neue ausgerichtet, obwohl das Überkommene noch Baustelle ist

Das Netz fluten mit eigenen Beiträgen, obwohl es längst überfüllt ist mit Beiträgen

Das Platformkapital macht Werbung für‘s Platformkapital, obwohl es sich selbst bekannt ist – was ich mit der Werbung anfangen soll, weiß es auch nicht mehr

Die Wahrnehmung reduziert sich immer auf das Naheliegende und verstärkt sich noch im Naheliegenden

Ich kann behaupten: mein Blick auf Literatur durch Blog oder Twitter hat sich tatsächlich geändert – deswegen mache ich es ab sofort wieder so: ich gehe in gut sortierte Buchläden und lass mich dort überraschen – das Internet macht mir zu viel Literatur zum Egal.

Wenn wir Prosa wollen, sollte Prosa auch wieder gemacht werden dürfen, mit Fließen, Strömen, mit Effekten Affekten und Irrtümern und Ecken – es gibt kein Reinheitsgebot dafür – da sollten sich endlich diejenigen von absetzen wollen, die mehr wollen als gefälliges Plappern – doch wie verhält es sich mit dem Banalen, das mehr als die Hälfte deines Lebens bestimmt

– aus dem Wörthersee bei Klagenfurt steigt wieder kein Leviathan auf, mehr eine Makrelenspringflut, während das Runde ins Eckige soll und das Sommerloch Feuer nach Brandenburg bringt – der Plattformkapitalismus spült mir unterdessen mehr Werbung in die TL, als ich wahrnehmen kann

Auf der Suche nach Twitteralternativen noch nicht wirklich fündig geworden

Literatur, die sich über Instagram in mein Leben einzuschleichen versucht, bleibt draußen – verstehe nicht, wie sich intelligente Menschen auf den Plattformen Insta und FB ruhigen Gewissens umtun können. Auch Twitter wird mir zunehmend fragwürdig

Architektur- wie Literaturtheorie stecken in einem Dilemma – sie proklamieren eine Ästhetik ihrer Bauten und Medien und müssen mit ansehen, wie 99% der realisierten Werke ohne irgendeinen Anspruch daherkommen – so bleiben die theoretischen Ansätze unter sich, während die gebaute und dargestellte Wirklichkeit sich selbst unterhöhlt – ein Wettkampf um die größtmögliche Reichweite und Gefälligkeit mit sich selbst unterbietenden Mitteln.

Dass das Internet kaputt ist einmal mehr hier gelesen : für die ohne Geduld: https://www.deutschlandfunkkultur.de/

Veröffentlicht von Clemens Verhooven

Bücher - Jazz - Filme