Maxim Kantor – Rotes Licht

artk_ct0_9783552058538_0001NZZ:

Die russischen Intellektuellen haben sich korrumpieren lassen – Begegnung mit dem Freigeist Maxim Kantor

„Wie seine Farben trägt Kantor auch Geschichte gern opulent auf, wobei er mitunter die Grenze zur Überorchestrierung streift, wenn nicht überschreitet, zumal sein umfangreicher Roman mit einer Mephisto-Gestalt auch ins Phantastische umschlägt und sich geschichtsphilosophischer Spekulation nicht verweigert. Letzteres reiht sich ein in die russische Tradition der essayistischen Erzählung, wie sie etwa Wassili Grossman in «Alles fliesst» gehandhabt hat.“

DIE ZEIT:

Gibt es gar nichts zu sagen?

Jana Hansel erkämpft oder nichtbekämpft die Lethargie der sog. linken Intellektualität mit dem Emporkömmlichen rechter Denke. (der gegenseitige Vorwurf des Pharisäerns der Wirklichkeit Fußfessel Hohn und Spott beschreibt) Niemand traut sich zu widersprechen?

Schaue ich in den Kommentarbereich, sehe ich die üblichen „Gesinnungsethiker, das System der Open Borders, die besserverdienende Libertinage oder die Zerrbilder einer Bourgoisie, den historischen Endkampf und hochfantasierte Interventionen und die Anstellungskörperschaften, die Abkömmlinge der Avantgarde, den Tunnel der Doofheit, den schwarzgrünhellroten Plan, die Jubelrufe der moralkapitalistischen Basis“,

vor allem erkenne ich dick aufgetragen:

liberale, kapitalistische und kulturlinke Werte, ökologischer Landbau, bildungsbürgerliche Milieus, nettes Lifestyle-Accessoire“, dabei dient mir ein einfacher Filter: je höher ein Kommentar bewertet ist, desto sicherer die Fangquote: „warte darauf, dass Günther Grass von den Toten aufersteht und uns mit seiner obligatorischen politischen Grütze überzieht und den verbliebenen rotgrünen Champagnersozialisten ein Lächeln ins Gesicht zaubert“ … oder „Dieses unsägliche Schwadronieren“  (gemeint ist Habermas) und gleich nochmal: ein Dummschwätzer vor dem Herrn – warum ich dazu nichts sagen kann? // Das Niveau, Frau Hansel, das Niveau. Muss ich denn jedes Stöckchen springen? Muss ich?

Der Spiegel:

Der rechte Glaube

Es gibt Christen in der AfD – und Rechte in den Kirchen. Wie bringen sie ihren Glauben in Einklang mit Hetze und Rassismus? Was nicht passt, wird passend gedacht. von Annette Langer

„Der Schutz des ungeborenen Lebens, das traditionelle Familienbild und die Ablehnung der Homosexualität sind Themen, die die AfD für einige Christen attraktiv machen“, sagt der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge. „Aber diese Gläubigen wissen nicht, was sie alles miteinkaufen. Sie werden zum Feigenblatt für eine Partei, die die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie demontieren will.“

Sueddeutsche Zeitung:

Attackieren! Ignorieren! Argumentieren!

Mit dem Einzug der AfD ist der Ton im Bundestag rauer geworden. Die anderen Parteien wählen sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem neuen Gegner. Von Stefan Braun und Jens Schneider, Berlin

„Eines hat sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auf alle Fälle geändert: die anderen Parteien werden ganz neu herausgefordert. Sie müssen teilweise beißende Kritik über sich ergehen lassen. Sie müssen mehr denn je auf die Einhaltung der Regeln achten, um dem Vorwurf zu begegnen, sie würden die Rechte der AfD einschränken, sie mithin diskriminieren. Und sie müssen sich jeden Tag neu überlegen, wie sie auf Anwürfe und Provokationen reagieren.“

Die Presse:

Nazis & Goldmund: Was (rechte) Sprache verrät

„Wörter sind Waffen. Wir holen sie uns zurück“, so Steinbuch. „Aber nicht, um Feindbilder zu zementieren, sondern: Wie können Literatur und Kunst zu einer emanzipierten, kritikfähigen Gesellschaft beitragen? Auch, zu hinterfragen: Was heißt ein Wort wie Freiheit oder Demokratie heute noch?“, ergänzt Arzt. Im täglichen Fluss immer neuer Meldungen verursacht eine problematische Aussage vielleicht einen kurzen Aufschrei, Aufregung verebbt schnell wieder. „Wir aber machen halt und sagen: Schaut, dieses Wort, dieser Satz ist gefallen“, erklärt er. Steinbuch pflichtet bei: „Wir wollen die Komplexität von Begriffen vor Augen führen, so, dass man anfängt, nachzudenken.“ Link zu den Poeten hier (der im Artikel funzt net)

Der Tagesspiegel:

Genial verdorbener Witz – Tristam Shandys Lawrence Sterne für 98 Euro

„Für Goethe und Nietzsche war er „der schönste Geist“ und „der freieste Schriftsteller“ seiner Zeit. Lessing, einer seiner begeisterten Leser, hätte dem bereits mit Mitte fünfzig Verstorbenen gern fünf Jahre seines Lebens abgetreten, „und hätt ich auch gewiss gewußt, dass mein ganzer Überrest nur acht oder zehn betrüge, mit der Bedingung aber, dass er hätte schreiben müssen, gleich was, Leben und Ansichten oder Predigten oder Reisen.“

Außerdem im Tagesspiegel:

Unser Mann im Kinosaal

Das „Schreibheft“ präsentiert den Schriftsteller Graham Greene als Filmkritiker.

„Nein, so geht Filmkritik wirklich nicht mehr: so hopplahopp ohne Gespür für den ersten Satz gleich ins Meinen hineingesprungen. So wertungsversessen vor jedem Bemühen, Tonfall und Atmosphäre szenisch zu veranschaulichen. Und zum Teil so glanzlos heruntergefiedelt, als wüsste der Autor dieser Texte aus den Jahren 1928 bis 1941 nicht, welche Möglichkeiten intelligenter Journalismus bietet. Wie kommt es, dass es trotzdem ein Vergnügen ist, Graham Greene bei der Arbeit zuzusehen?

Ein nicht unerheblicher Reiz besteht sicher darin, den britischen Weltklasseerzähler in unkonzentrierteren Momenten zu ertappen – und gleichzeitig zugeben zu müssen, dass sich auch im Parlando eine erstaunliche Beobachtungsgabe versteckt.“

Standard:

Künstliche Intelligenz als Poetin: Als die Maschine lernte, Klassiker zu sein

Computer schreibt Gedicht im Standard

Auf den ersten, flüchtigen Blick erregt das untenstehende Opusculum keine besondere Aufmerksamkeit. Ein Geheimnis hüllt gleich die Anfangsstrophe in ein diffus verschwimmendes Licht. „Auf der Flucht gezimmert in einer Schauernacht“: Es fällt schwer, diese Aussage nicht für selbstbezüglich zu halten. Häufig genug machen moderne Texte von der Möglichkeit Gebrauch, von sich selbst zu sagen, was es mit ihnen auf sich hat. Um den Leser nur umso gezielter hinters Licht zu führen. –

Sonnenblicke auf der Flucht

Auf der Flucht gezimmert in einer
Schauernacht.
Schleier auf dem Mahle
Säumliche Nahrung, dieses Leben.

Die heiligen Lippen der Schande. *grrrrrrrrr

Im Tagespiegel:

Schwätzer, Trolle, Wortverdreher

Wie für unsere Zeit geschrieben: Mit „Humbug und Variationen“ des Rumänen Caragiale ist einer der großen Spötter der Weltliteratur zu entdecken:

„Von Ion Luca Caragiales Feder zum Rrrumänen geadelt, besitzt er nicht viel Haltung, dafür Meinungen im Übermaß. Im Politischen eignet ihm ein haltloser Wankelmut, dem nur der patriotische Blick auf den äußeren Feind Einhalt gebietet. Im Privaten hält er es ähnlich. Denn nachdem er sich aus den Hitzen der Jugend ins Phlegma der mittleren Jahre geflüchtet hat, verteidigt er mit schlitzohriger Sturheit nur den müden Anschein seiner bürgerlichen Ehre. Die wahre Rrrumänin ist nicht besser. Sie hält sich nur dafür. Mit ein paar Brocken Französisch macht sie auf Dame von Welt, lebt ansonsten aber in der tiefsten Provinz ihres geltungssüchtigen Herzens, und das am liebsten auf Kosten anderer.“

Zum Buzzword-Bingo, auch Bulshit-Bingo oder Besprechungs-Bingo gibt es auf Wikipedia Passendes.

Was bleibt? Der Schwarm der Schmarrn. Der Schaum der Löffel. Das Helium frisst die Luft. Das Selbstzeugnis als Programm. So sammeln sich die Fragen. Alles sichtbar. So viele der Fragen – die Antworten warten auf den nächsten Crash. Das Fatale am System, es wird auch die treffen, die ihn herbeizitieren. Die Uhr steht täglich kurz vor Zwölf. Egal an welchem Ende der Welt du dich befindest.